Ein harter Kampf

Beim allabendlichen Relaxen auf dem heimischen Sofa schweiften meine Gedanken mal wieder ab und ich musste an eine junge Frau denken, deren Schicksal mich sehr bewegt. Warum? Weil es meinem sehr ähnelt.

Hier die Geschichte dazu:

An einem recht sonnigen und angenehm temperierten Herbsttag war ich mit meinem Sohn den nahe gelegenen Spielplatz unsicher machen. Es geht nichts über ein wenig Bewegung vor dem Abendessen. Das steigert den Appetit ungemein und führt zu einer gewissen Bettschwere bei Menschen unter 1,30 m Körpergröße.

Mein Sohn rutschte und grub den Sandkasten um, ich suchte mir ein ruhiges Plätzchen um ein wenig zu lesen und meinen Gedanken freien Lauf zu lassen.

Nach ein paar Minuten gesellte sich Sarah mit ihren 2 Kindern  zu uns. Wir kannten uns schon vom Spielplatz. Die Kinder spielten gerne miteinander, wir redeten nebenbei. Da ich nicht wirklich kontaktfreudig bin, bewegte sich unsere Konversation auf Hausfrauenniveau. Belangloser Smalltalk. Doch an diesem Tag war irgendwie alles anders. Sarah wirkte bedrückt und sah sehr nachdenklich aus. Dass sie nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens stand, hatte ich bei früheren Begegnungen schon raus hören können. Da das Leben eine Achterbahnfahrt ist, gibt es nicht nur Höhen, sondern auch viele Tiefen. An diesem Tag kam sie aber sehr merkwürdig rüber und so musste ich wohl oder übel meine Introvertiertheit ablegen, um das Niveau unseres Gespräches ein wenig anzuheben. Wir tauschten das erste Mal private Dinge aus. Was sie mir dann erzählte, übertraf selbst meine Erwartungen um einiges.

Ich fragte sie in meinem jugendlichen Leichtsinn, was sie denn arbeite. In den vorangegangen Gesprächen konnte ich feststellen, dass sie durchaus gebildet war. Als Antwort bekam ich ein trockenes und sarkastisches Lachen.

Und dann fing sie an, mir ihre Lebensgeschichte zu erzählen. Sie erzählte mir von ihrem Studium, dass sie mit einem akademischen Grad abschloss. Lange in einem gut bezahlten Job arbeitete, den aber verlor, weil der Vater ihrer Kinder sie verlies und sie somit niemanden mehr hatte, der die Kinder betreuen konnte, wenn sie auf Dienstreise war oder länger arbeiteten musste. Sie berichtete mir von alten Freunden, die sich von ihr immer mehr zurückzogen, weil sie auf einmal nicht mehr interessant war und das Geld nicht mehr hatte, um auf Partys zu gehen. Vom täglichen Kampf mit Hartz IV, von den Vorurteilen der Umwelt, die sie teilweise als faul und arbeitsunwillig beschimpften, ohne auch nur einen Hauch von Ahnung zu haben, wie sie lebt und warum sie keinen geeigneten Job findet, von unsäglicher Bürokratie auf Ämtern und Behörden, die ihr und ihren Kindern das Leben noch mehr erschwerten. Von Weinkrämpfen, die sie abends hatte, wenn die Kinder im Bett waren und sie über ihre ausweglose Situation nachdenken konnte. Und von dem täglichen Kampf, den Kindern ein halbwegs normales Leben zu bieten zu können, obwohl das mit HartzIV schlichtweg unmöglich ist.

Nur wie kann es überhaupt soweit kommen? Wie kann es sein, dass man einfach so aussortiert wird. Abgelegt, weil nicht mehr gebraucht. Aufs gesellschaftliche Abstellgleis geschoben.

Der Abstieg geht schnell. Eben noch auf der Showbühne des Lebens, der große Star und nun lassen sie dich noch nicht mal mehr in das Studio hinein. Selbst der Job als Toilettenfrau ist schon vergeben und man muss sich ganz hinten wieder anstellen.

Gerade als alleinerziehende Mutti kann es ganz schnell ganz hart und einsam werden. Eigentlich hatte man sich vorgenommen, eine coole Mama zu sein. Auf die jedes Kind stolz sein kann. Mit einem Job, der Spaß macht, viel Zeit für die Kinder, tollen Freunden und einem noch tolleren Mann an der Seite. Tja, aber oft kommt es anders, vor allen Dingen als man denkt. Nun steht man alleine da, muss selbst sehen, wie man mit Kindern, Haushalt und Leben klar kommt. Der Job ist weiter entfernt als der Mond. Viel Zeit für die Kinder hat man, aber leider ohne Job kein Geld, um die viele freie Zeit auch sinnvoll füllen zu können. An die Freunde, die man mal hatte, kann man sich nur noch schwach erinnern. Und der tolle Mann? Nun ja, das Exemplar, in das man sich vor Jahren mal verliebt hatte und der der Vater der traumhaften Kinder werden sollte, hat den Akt der Zeugung zwar noch mitgenommen, es dann aber doch lieber vorgezogen, sich ein neueres, jüngeres und vor allen Dingen kinderloses Modell Frau zu suchen. Und so ist aus der einstmals geplanten coolen Mama die jetzige frustrierte und verzweifelte Frau  geworden.

In solch einer Situation resigniert man schnell, wenn man nicht selbst fest von seinen Leistungen überzeugt ist. Wenn man keine Unterstützung und Zuspruch bekommt. Genau dies war bei Sarah passiert. Sie hatte einfach keine Kraft mehr, sich das Leben schön zu reden, wenn es doch nicht schön ist.

Armut, und das liegt in diesem Fall vor, kann sehr hart sein. Denn meist ist man nicht nur finanziell „arm“, sondern auch gesellschaftlich. Und das ist noch viel schlimmer. Denn ohne Freunde und ohne soziales Umfeld, die einem zur Seite stehen, mit denen man seine Probleme besprechen kann und die da sind, wenn es einem schlecht geht, kann man die vielen anderen alltäglichen Sorgen und Ängste nicht ertragen und bewältigen. Ein stabiles soziales Umfeld dagegen, ein Netzwerk, das einen auffängt wie eine Hängematte, wenn es mal nicht so rund läuft, kann eine große Hilfe sein und macht den Alltag erträglicher.

Wer möchte, darf mir gerne seine Gedanken, Anregungen, Erlebnisse und Wünsche schreiben. Ich freue mich sehr.

Eine Bemerkung zum Schluss sei mir noch gestattet: arm ist nur wirklich der, der keine Gefühle im Herzen hat und andere ausgrenzt, weil sie nicht seinem Lebensstil entsprechen. Alles andere kann man regeln und sich damit arrangieren, aber menschliche Kälte ist schwer zu ertragen.

In diesem Sinne wünsche ich Allen eine schöne Woche.

Über Anna Miller

Mein Name ist Anna Miller, ich bin Baujahr 1974. Meine Kindheit und Jugend verbrachte ich wohlbehütet unter der Fahne des Arbeiter- und Bauernstaates. Ich war Mitglied bei den Jung- und Thälmannpionieren, um dann nahtlos in die FDJ zu wechseln. Dort schaffte ich es bis in die GOL und kümmerte mich um die Feriengestaltung unserer Hortkinder und die Organisation diverser Kinder- und Jugendfeste. Um gleich etwaige Vorurteile aus dem Weg zu räumen: Dies hatte nichts mit Parteiarbeit oder ähnlichem zu tun. Damals war es noch üblich, dass auch in den Ferien die Kinder der unteren Klassenstufen in der Schule betreut werden. Zu meinen Aufgaben zählte zum Beispiel die Organisation von Schwimmbad- und Kinobesuchen, Bastelnachmittagen und ähnlichen Aktionen. Da mit dem Ende meiner Schulzeit auch Schluss mit dem Arbeiter- und Bauernstaat war, musste ich mich mit der harten Realität des Kapitalismus auseinander setzen und mir eine Lehrstelle suchen. Die Zeiten, in denen davon genug zur Verfügung standen, fein säuberlich aufgelistet in einer Broschüre die sich „Lehrstellenverzeichnis“ nannte, gehörten nämlich ebenfalls der Vergangenheit an. Aber ich hatte Glück. Durch alte „Beziehungen“, konnte ich eine Lehre zum Augenoptiker ergattern und absolvieren. Nicht mein Traumberuf, aber es war ein Beruf und ein Start in das vor mir liegende Leben. Nach Beendigung meiner Lehre war ich 10 Jahre in diesem Beruf tätig. Da Arbeiten aber nicht alles ist, was ein Leben so ausmacht, beschloss ich, mich nebenbei der Familienplanung zu widmen. Und wie es so ist mit dem planen – nicht alles klappt auf Anhieb. Geklappt hatte es erst, nachdem sich der potenzielle Vater meines nun inzwischen schulpflichtigen Sohnes entschloss, seine Familienplanung noch etwas auf Eis zu legen. Das Ende vom Lied: Ich bin eine alleinerziehende Mutti, die sich um ein kleines Sorgenkind kümmern muss. Der liebe Gott hat es mit meinem Sohn leider nicht ganz so gut gemeint und ihm einige Krankheiten mit auf den Weg gegeben. Unter anderem eine Entwicklungsstörung, die nach viel Förderung in verschiedenen Bereichen verlangt. Der Vater meines Sohnes beteiligt sich am Leben seines Kindes fast ausschließlich in Form der ihm gesetzlich vorgeschriebenen finanziellen Unterstützung. Durch die fast täglichen Termine mit meinem Sohn bei diversen Therapeuten und Frühförderstellen war es mir nach der Elternzeit nicht mehr möglich, in meinen alten Beruf zurück zu kehren. Ein kleines - noch dazu krankes - Kind und die Arbeitszeiten im Handel lassen sich einfach nicht miteinander vereinbaren. Und somit entschied ich mich, in die Selbständigkeit zu wechseln. Für mich damals die einzige Möglichkeit, nicht von Hartz IV leben zu müssen. Ich träumte von Heimarbeit, die ich notfalls auch dann machen konnte, wenn Sohnemann krank ist oder schläft. Büroorganisation und Telefonservice war das, was mir vorschwebte. Was mir angeboten wurde, war ein bunter Strauß voll Betrügereien und Abzockereien. Ich hatte nun inzwischen schon einiges in meinem Leben mitgemacht und erlebt, aber was ich während dieser Zeit an Niederträchtigkeit und Skrupellosigkeit erleben musste, sprengt glaube ich jede Vorstellungskraft. Weil die Zahlungsmoral meiner Kunden teilweise genau so schlecht war wie ihre Absichten und durch zusätzliche private Schicksalsschläge, musste ich mein Leben neu überdenken und ordnen. Da ich schon immer sehr gerne geschrieben und gelesen habe, war für mich der Zeitpunkt gekommen, mein Hobby zum Beruf zu machen. Wobei der Begriff „Beruf“ das falsche Wort ist. Für mich ist es viel mehr. Es ist meine Berufung. Schreiben ist genau das, was mir Spaß macht, wo ich mit Freude dabei sein kann und was mich und mein Leben am ehesten widerspiegelt. Eine Ausbildung in dieser Richtung habe ich nicht. Ich bin der Meinung, dass man Kreativität und/oder Talent nicht antrainiert bekommen kann. Entweder man hat es, oder eben nicht. So etwas muss von Herzen kommen, man muss eine Verbindung eingehen können. Man muss es leben und fühlen. Und ich glaube, dass ich dies recht intensiv mache. Und somit schreibe ich Artikel in unterschiedlichsten Längen für Zeitungen und Zeitschriften, übernehme Auftragsarbeiten und stehe auch als Texter und Skriptschreiber zur freien Verfügung. Wer in dieser Richtung Aufträge zu vergeben hat, darf sich gerne an mich wenden. Eine Kontaktaufnahme ist über anna-miller(at)o2online.de möglich.

Veröffentlicht am 2. Februar 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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