SMS Junkies

Beim abendlichen Zappen durch die deutsche Fernsehlandschaft stolperte ich über eine Verbraucherinformation, die eigentlich jedem Betriebswirt das blanke Entsetzen ins Gesicht zaubern sollte. Ein Angebot, das bei voller Ausschöpfung durch den Verbraucher in keinster Weise rentabel sein kann: ein bekannter und vor allen Dingen bei Jugendlichen sehr beliebter Musiksender bot dort bei Abschluss eines Handyvertrages 5000 SMS für sage und schreibe 14,95 Euro pro Monat feil. Tja, was soll ich sagen. Bei solch einem Angebot hat es selbst mir als allseits bekannte Schnäppchenjägerin fast die Schlappen von den Füßen gehauen. Das kann doch nur ein Werbegag sein. Da ich solch eine Sache nicht ohne Beachtung und genaueren Recherchen an mir vorbeiziehen lassen konnte, habe ich mich auf die Suche nach dem berühmt berüchtigten „Haken“ gemacht. Denn irgendwo musste meiner Meinung nach eben jener welcher zu finden sein. Widererwartend wurde ich positiv überrascht. Auf den ersten Blick konnte ich keine Verbraucherfalle ausfindig machen. Das Angebot steht – man muss nur zugreifen. Selbst die Minutenpreise für Telefonate bewegen sich im üblichen Bereich für „Vertragshandys“. Alles ok soweit.

Einige Fragen drängten sich mir allerdings unweigerlich auf. 5000 SMS? Wie viel ist das? Darum blieb mir nichts anderes übrig, als genauer nachzurechnen. Ja, liebe Jugendfreunde, dass wird euch jetzt wahrscheinlich wundern, aber als Mutti zur Schule ging, gab es auch schon das Fach Mathematik. Es ist schon sehr lange her, aber die Grundrechenarten beherrsche ich. Und damit alle meine Rechnung nachvollziehen können, hier der Lösungsweg. Also, wenn wir von 30 Tagen pro Monat ausgehen (rechnet sich leichter), sind das rund 166 SMS am Tag. Ziehen wir mal von den zur Verfügung stehenden 24 Stunden – die ein Tag so mit sich bringt – die obligatorischen 8 Stunden Schönheits- und Erholungsschlaf ab, wären das rund 10 SMS pro Stunde. Wow. Das schaffe ich nicht in einer Woche. Da frage ich mich ernsthaft, ob da jemand ohne Hobby ist? Die Zeit muss man erst mal aufbringen, um diese Anzahl von SMS unter die Leute zu bringen. Und was sind das für Leute, die 5000 SMS pro Monat verschicken oder verschicken wollen? Warum? Was schreibt man da und vor allen Dingen wem? Wen belästigt man so penetrant auf diese Art und Weise? Sind wir heutzutage nur noch in der Lage über Kurznachrichten zu kommunizieren?  Haben wir uns denn gar nicht ´s mehr zu sagen? Persönlich? In einem Gespräch?

Um auch die Frage nach dem „wer“ beantworten zu können, begab ich mich in ein Fastfood Restaurant meines Vertrauens. Ein beliebter Treff der U18 Generation. Die Zielgruppe, die ich hinter diesem Angebot vermutete. Und ich fand sie sofort – meine Probanden. In diesem Alter scheint es üblich zu sein, sich in einer Lautstärke zu unterhalten, die man sonst nur bei Leuten mit einer Hörschwäche vermutet. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass man um jeden Preis auffallen möchte? Oder doch schon einsetzende Taubheit? Ich kam nicht umhin, ein Gespräch von 2 jungen Mädchen zu verfolgen. Die beiden schätzte ich auf ca. 13-14 Jahre ein. Zahnspange, die Kleidung zu eng und zu kurz – es mag am schnellen Wachstum liegen – die Schminke ein wenig zu dick aufgetragen. Typische Anzeichen für Pubertät. In ihrem Gespräch ging es um Jungs, das Handy und Kreditkarten. Ein bunter Strauß von Themen, über die ich mir in dem Alter noch keine Gedanken machte. Oder machen musste, da es zu dieser Zeit weder Kreditkarten noch Handys gab. Tja, die Zeiten ändern sich und damit auch die Probleme der Jugendlichen. Da wird sich aufgeregt, dass die Olle (Entschuldigung, das habe ich so aufgeschnappt) immer noch nicht die Prepaid Kreditkarte der holden Tochter aufgeladen hat, ein bestimmter Junge sich unter Todesdrohungen nicht wagen soll anzurufen und die neuesten Klingeltöne und Handyspiele werden ausgewertet und getauscht. Ohne diese funktioniert anscheinend nichts mehr und es scheint, als ob genau diese Dinge den Status der besitzenden Person auf- oder abwerten. Beide saßen während ihrer Unterhaltung fortwährend mit Handy im Anschlag da und ließen die Finger wieder und wieder in Windeseile nebenbei über die Zahlenfelder fliegen. Da war sie also: die Generation Kurznachrichten. Wie sie lebt und liebt. Laut, unverständliche Musik aus dem billigen Handy dröhnend, albern und sich gegenseitig beleidigend. Soll das unsere Zukunft sein? Ist das wirklich alles, was uns in Zukunft ausmacht? Oder gibt es doch noch Hoffnung auf Besserung?

Ich war todesmutig und habe mich getraut, meine zwei Probanden anzusprechen. Die Verwunderung bei ihnen war groß, was die alte Frau denn möchte, aber dann kamen wir doch in ein lockeres Gespräch. Ich bin 35, das fällt in den Kreisen unter scheintot.  Mit meinem losen Mundwerk konnte ich die beiden überzeugen, dass man sich in meinem Alter nicht nur für Stützstrümpfe und Inkontinenzeinlagen interessiert, sondern durchaus auch noch am Weltgeschehen und am gesellschaftlichen Leben teilnimmt. So erfuhr ich, dass jede über 150 Kontakte in ihrem Handy hatte, mit denen man jederzeit kommunizieren kann und auch muss, um die Freundschaft immer am Laufen zu halten. Gerne auch mal während des Unterrichts. Auch wenn der Kontaktierte nur 2 Bänke weiter sitzt, ist es doch leichter, eine SMS zu schreiben, als die Dinge, die man mitteilen möchte, einfach so durch den Raum zu rufen. Immerhin könnten da 25 andere Ohrenpaare mithören, vorausgesetzt dass deren Träger nicht auch gerade damit beschäftigt sind, ihre Kontakte mit Kurznachrichten zu versorgen. Die Zeiten, in denen man noch mit Hilfe eines kleinen Zettels seine Infos durch den Klassenraum geschickte, sind also definitiv vorbei. Das Handy ist zum Kommunikationsmittel Nummer eins aufgestiegen.

Meine zwei Mädels erzählten mir ein paar Begebenheiten aus ihrem für sie sehr aufregenden und anstrengenden Leben, ohne eigentlich zu wissen, wie anstrengend das wirkliche Leben ist. Im Prinzip machen sie es sich selbst nur schwer. Der Kontakt zu unzähligen ach so wichtigen Freunden muss immer gehalten werden, in der Hoffnung, selbst dadurch nicht in Vergessenheit zu geraten. Ich nenne das „Anbiedern um jeden Preis“. Denn die vielen Freunde, die da angeblich vorhanden sind, sind nur Oberflächlich. Man kann nicht zu 150 Menschen gleichzeitig eine feste Verbindung aufbauen. Aber anstatt sich auf ein paar wirkliche Freunde zu konzentrieren, auf die man sich verlassen kann, die einen nicht fallen lassen wenn mal was nicht passt, wird breit gestreut und somit entsteht unnötiger und hausgemachter Stress. Und genau durch dieses „auf sich aufmerksam machen“ entstehen die berühmten Handyrechnungen, die wegen ihrer Ausmaße im Umzugskarton verschickt werden müssen.

Was lernen wir daraus? Liebe Jugendfreunde. Sucht euch ein paar richtige und wichtige Freunde. Das erleichtert das Leben und es bleibt mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge.

In diesem Sinne: c u

Über Anna Miller

Mein Name ist Anna Miller, ich bin Baujahr 1974. Meine Kindheit und Jugend verbrachte ich wohlbehütet unter der Fahne des Arbeiter- und Bauernstaates. Ich war Mitglied bei den Jung- und Thälmannpionieren, um dann nahtlos in die FDJ zu wechseln. Dort schaffte ich es bis in die GOL und kümmerte mich um die Feriengestaltung unserer Hortkinder und die Organisation diverser Kinder- und Jugendfeste. Um gleich etwaige Vorurteile aus dem Weg zu räumen: Dies hatte nichts mit Parteiarbeit oder ähnlichem zu tun. Damals war es noch üblich, dass auch in den Ferien die Kinder der unteren Klassenstufen in der Schule betreut werden. Zu meinen Aufgaben zählte zum Beispiel die Organisation von Schwimmbad- und Kinobesuchen, Bastelnachmittagen und ähnlichen Aktionen. Da mit dem Ende meiner Schulzeit auch Schluss mit dem Arbeiter- und Bauernstaat war, musste ich mich mit der harten Realität des Kapitalismus auseinander setzen und mir eine Lehrstelle suchen. Die Zeiten, in denen davon genug zur Verfügung standen, fein säuberlich aufgelistet in einer Broschüre die sich „Lehrstellenverzeichnis“ nannte, gehörten nämlich ebenfalls der Vergangenheit an. Aber ich hatte Glück. Durch alte „Beziehungen“, konnte ich eine Lehre zum Augenoptiker ergattern und absolvieren. Nicht mein Traumberuf, aber es war ein Beruf und ein Start in das vor mir liegende Leben. Nach Beendigung meiner Lehre war ich 10 Jahre in diesem Beruf tätig. Da Arbeiten aber nicht alles ist, was ein Leben so ausmacht, beschloss ich, mich nebenbei der Familienplanung zu widmen. Und wie es so ist mit dem planen – nicht alles klappt auf Anhieb. Geklappt hatte es erst, nachdem sich der potenzielle Vater meines nun inzwischen schulpflichtigen Sohnes entschloss, seine Familienplanung noch etwas auf Eis zu legen. Das Ende vom Lied: Ich bin eine alleinerziehende Mutti, die sich um ein kleines Sorgenkind kümmern muss. Der liebe Gott hat es mit meinem Sohn leider nicht ganz so gut gemeint und ihm einige Krankheiten mit auf den Weg gegeben. Unter anderem eine Entwicklungsstörung, die nach viel Förderung in verschiedenen Bereichen verlangt. Der Vater meines Sohnes beteiligt sich am Leben seines Kindes fast ausschließlich in Form der ihm gesetzlich vorgeschriebenen finanziellen Unterstützung. Durch die fast täglichen Termine mit meinem Sohn bei diversen Therapeuten und Frühförderstellen war es mir nach der Elternzeit nicht mehr möglich, in meinen alten Beruf zurück zu kehren. Ein kleines - noch dazu krankes - Kind und die Arbeitszeiten im Handel lassen sich einfach nicht miteinander vereinbaren. Und somit entschied ich mich, in die Selbständigkeit zu wechseln. Für mich damals die einzige Möglichkeit, nicht von Hartz IV leben zu müssen. Ich träumte von Heimarbeit, die ich notfalls auch dann machen konnte, wenn Sohnemann krank ist oder schläft. Büroorganisation und Telefonservice war das, was mir vorschwebte. Was mir angeboten wurde, war ein bunter Strauß voll Betrügereien und Abzockereien. Ich hatte nun inzwischen schon einiges in meinem Leben mitgemacht und erlebt, aber was ich während dieser Zeit an Niederträchtigkeit und Skrupellosigkeit erleben musste, sprengt glaube ich jede Vorstellungskraft. Weil die Zahlungsmoral meiner Kunden teilweise genau so schlecht war wie ihre Absichten und durch zusätzliche private Schicksalsschläge, musste ich mein Leben neu überdenken und ordnen. Da ich schon immer sehr gerne geschrieben und gelesen habe, war für mich der Zeitpunkt gekommen, mein Hobby zum Beruf zu machen. Wobei der Begriff „Beruf“ das falsche Wort ist. Für mich ist es viel mehr. Es ist meine Berufung. Schreiben ist genau das, was mir Spaß macht, wo ich mit Freude dabei sein kann und was mich und mein Leben am ehesten widerspiegelt. Eine Ausbildung in dieser Richtung habe ich nicht. Ich bin der Meinung, dass man Kreativität und/oder Talent nicht antrainiert bekommen kann. Entweder man hat es, oder eben nicht. So etwas muss von Herzen kommen, man muss eine Verbindung eingehen können. Man muss es leben und fühlen. Und ich glaube, dass ich dies recht intensiv mache. Und somit schreibe ich Artikel in unterschiedlichsten Längen für Zeitungen und Zeitschriften, übernehme Auftragsarbeiten und stehe auch als Texter und Skriptschreiber zur freien Verfügung. Wer in dieser Richtung Aufträge zu vergeben hat, darf sich gerne an mich wenden. Eine Kontaktaufnahme ist über anna-miller(at)o2online.de möglich.

Veröffentlicht am 3. Februar 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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