Servicewüste MC Donalds

Heute ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Wunder geschehen. Wenn ich ehrlich bin, an diesen Tag geglaubt habe ich schon lange nicht mehr. Dafür war einfach schon zu viel passiert, um dies vor meinem geistigen Auge nicht als Fatamorgana erscheinen zu lassen. Aber immer der Reihe nach. Ich will euch flugs erklären, worum es geht.

In meiner kleinen aber doch sehr liebeswerten Familie gibt es einen Menschen (er möchte an dieser Stelle nicht namentlich genannt werden), der gerne die ein oder andere Mahlzeit in einem Fastfoodrestaurant einnimmt. In unserem Fall handelt es sich um die nicht ganz unbekannte Firma MC Donalds, die ihre Filialen flächendeckend über den ganzen Globus verteilt hat und mit solch kulinarischen Highlights wie Pommes und Burger die vor allen Dingen junge Kundschaft zu verwöhnen versucht. So auch in unserem netten Städtchen. Auf Armlänge hat man uns solch einen Tempel vor die Türe gesetzt, was nun den Nachteil hat, dass mein Sohn liebend gerne mein schwer verdientes Geld dort unter die Leute bringt und seinen Speiseplan wenn möglich nur auf solch Köstlichkeiten wie Chicken Nuggets und Fruchttüte ausrichten möchte. Da ich kein Freund von einseitiger Ernährung bin, meinem kleinen Sohnemann die Freuden des Lebens aber auch nicht gänzlich verwehren möchte, haben wir uns auf einen wöchentlichen Besuch geeinigt. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass wir in diesem Lokal zur Stammkundschaft zählen. Vor allen Dingen, weil wir unseren Besuch immer montags zur gleichen Zeit absolvieren. Auch unsere Bestellung ist, bis auf wenige Ausnahmen, von gleicher Regelmäßigkeit. Eine gefüllte Happy Meal Tüte und – nun kommt der schwierige Teil – einen schwarzen Tee für Mutti.

Oben genanntes Restaurant ist in meinem Wohnort nicht wirklich dafür bekannt, dass die Belegschaft mit den Eigenschaften „besonders schnell“ und „serviceorientiert“ bestückt ist. Nein, vielmehr sollte man reichlich Zeit und vor allen Dingen Nerven einplanen, wenn man sich dort mit dem kulinarischen Angebot näher beschäftigen möchte. Sollte einen also das Hungergefühl überfallen, ist es besser, schon vor Auftreten der ersten Anzeichen schnellstmöglich den Weg ins Restaurant zu suchen. Bei mehr als drei weiteren Hungrigen vor dem Tresen am besten unverzüglich Plan B in die Tat umsetzen und woanders hingehen. Die Wartezeit wäre Menschenverachtend.

Heute war mal wieder besagter Montag, und ich habe den Wahnsinn gewagt, mich mit meinem Sohn in besagtes Restaurant begeben. Es war leer, nur zwei Kunden vor uns und zwei Bedienterminals besetzt. Also optimale Voraussetzungen, dem Hungertod zu entkommen. Leider nur theoretisch und sicherlich auch praktisch in jedem anderen Restaurant auf der Welt. Ich aber musste geschlagene 17 Minuten warten, bis die Dame vor mir ihr Essen komplett hatte. Eine normale Bestellung, nichts außergewöhnliches. Wahnsinn.

Als wir dann endlich an der Reihe waren, rechnete ich schon mit den üblichen Schikanen. Denn die Damen und Herren kennen sich in ihrem Sortiment nicht ganz so gut aus. Das Wort „Tee“ erschreckt sie regelmäßig. Solch Fragen wie: „Haben wir Tee?“, „Schwarzer? Welcher ist denn der Schwarze?“ sind schon Standard und werden von mir flüssig beantwortet. Denn auch ich möchte gerne meine Bestellung noch vor dem Hungertod meines Sohnes erhalten. Darum helfe ich gerne aus und führe eine kleine Schulung im Bereich Warenkunde durch. Was mich nur immer wieder verwundert: es sind immer die Gleichen, denen ich das erklären muss. Und da liegt das wahre Problem. Denn ohne Zweifel kennen die mich dort. Ich falle mit meinem Sohn überall auf. Noch dazu, da wir so oft dort sind und immer das Gleiche bestellen. Nur warum bekomme ich immer die gleichen dummen Fragen? Können die sich das nicht merken? Warum kennen die ihr Sortiment nicht? Bin ich die einzige, die dort Tee trinkt? Und selbst wenn dies so wäre, was ich nicht glaube, denn dann hätte MC Donalds die 6 Teesorten, die angeboten werden, schon längst aus dem Sortiment genommen, warum beschäftigt man sich nicht in Mitarbeiterschulungen mit dem Thema? Oder will man mich einfach ärgern? Ich weiß es nicht. Der Tee steht direkt hinter den Damen auf dem Tresen. Die sehen den tausend Mal am Tag, wenn sie die Trinkbecher befüllen oder die Burger aus der Schleuse nehmen. Das kann doch nicht so schwer sein.

Doch heute war alles anders. Es war der erste Tag, an dem ich meinen Tee ohne langes Nachfragen und dämlichen Blick bekommen habe. Ich konnte es gar nicht glauben. Die Dame hinter dem Tresen kannte ich nicht. Wahrscheinlich eine neue Mitarbeiterin. Ich würde sie gerne als Mitarbeiterin des Monats vorschlagen. Ach, was schreibe ich – Mitarbeiterin des Jahres.

Mal sehen, wie lange dies anhält, oder ob mich am Montag die gleichen fragenden Blicke wie immer erwarten.

Ich habe noch ein paar tolle Erlebnisse aus diesem Restaurant, die ich nach und nach aufschreiben werde und veröffentliche. Ihr dürft also gespannt sein, es geht auf jeden Fall kurios weiter.

Bis dahin.

Eure Anna

Über Anna Miller

Mein Name ist Anna Miller, ich bin Baujahr 1974. Meine Kindheit und Jugend verbrachte ich wohlbehütet unter der Fahne des Arbeiter- und Bauernstaates. Ich war Mitglied bei den Jung- und Thälmannpionieren, um dann nahtlos in die FDJ zu wechseln. Dort schaffte ich es bis in die GOL und kümmerte mich um die Feriengestaltung unserer Hortkinder und die Organisation diverser Kinder- und Jugendfeste. Um gleich etwaige Vorurteile aus dem Weg zu räumen: Dies hatte nichts mit Parteiarbeit oder ähnlichem zu tun. Damals war es noch üblich, dass auch in den Ferien die Kinder der unteren Klassenstufen in der Schule betreut werden. Zu meinen Aufgaben zählte zum Beispiel die Organisation von Schwimmbad- und Kinobesuchen, Bastelnachmittagen und ähnlichen Aktionen. Da mit dem Ende meiner Schulzeit auch Schluss mit dem Arbeiter- und Bauernstaat war, musste ich mich mit der harten Realität des Kapitalismus auseinander setzen und mir eine Lehrstelle suchen. Die Zeiten, in denen davon genug zur Verfügung standen, fein säuberlich aufgelistet in einer Broschüre die sich „Lehrstellenverzeichnis“ nannte, gehörten nämlich ebenfalls der Vergangenheit an. Aber ich hatte Glück. Durch alte „Beziehungen“, konnte ich eine Lehre zum Augenoptiker ergattern und absolvieren. Nicht mein Traumberuf, aber es war ein Beruf und ein Start in das vor mir liegende Leben. Nach Beendigung meiner Lehre war ich 10 Jahre in diesem Beruf tätig. Da Arbeiten aber nicht alles ist, was ein Leben so ausmacht, beschloss ich, mich nebenbei der Familienplanung zu widmen. Und wie es so ist mit dem planen – nicht alles klappt auf Anhieb. Geklappt hatte es erst, nachdem sich der potenzielle Vater meines nun inzwischen schulpflichtigen Sohnes entschloss, seine Familienplanung noch etwas auf Eis zu legen. Das Ende vom Lied: Ich bin eine alleinerziehende Mutti, die sich um ein kleines Sorgenkind kümmern muss. Der liebe Gott hat es mit meinem Sohn leider nicht ganz so gut gemeint und ihm einige Krankheiten mit auf den Weg gegeben. Unter anderem eine Entwicklungsstörung, die nach viel Förderung in verschiedenen Bereichen verlangt. Der Vater meines Sohnes beteiligt sich am Leben seines Kindes fast ausschließlich in Form der ihm gesetzlich vorgeschriebenen finanziellen Unterstützung. Durch die fast täglichen Termine mit meinem Sohn bei diversen Therapeuten und Frühförderstellen war es mir nach der Elternzeit nicht mehr möglich, in meinen alten Beruf zurück zu kehren. Ein kleines - noch dazu krankes - Kind und die Arbeitszeiten im Handel lassen sich einfach nicht miteinander vereinbaren. Und somit entschied ich mich, in die Selbständigkeit zu wechseln. Für mich damals die einzige Möglichkeit, nicht von Hartz IV leben zu müssen. Ich träumte von Heimarbeit, die ich notfalls auch dann machen konnte, wenn Sohnemann krank ist oder schläft. Büroorganisation und Telefonservice war das, was mir vorschwebte. Was mir angeboten wurde, war ein bunter Strauß voll Betrügereien und Abzockereien. Ich hatte nun inzwischen schon einiges in meinem Leben mitgemacht und erlebt, aber was ich während dieser Zeit an Niederträchtigkeit und Skrupellosigkeit erleben musste, sprengt glaube ich jede Vorstellungskraft. Weil die Zahlungsmoral meiner Kunden teilweise genau so schlecht war wie ihre Absichten und durch zusätzliche private Schicksalsschläge, musste ich mein Leben neu überdenken und ordnen. Da ich schon immer sehr gerne geschrieben und gelesen habe, war für mich der Zeitpunkt gekommen, mein Hobby zum Beruf zu machen. Wobei der Begriff „Beruf“ das falsche Wort ist. Für mich ist es viel mehr. Es ist meine Berufung. Schreiben ist genau das, was mir Spaß macht, wo ich mit Freude dabei sein kann und was mich und mein Leben am ehesten widerspiegelt. Eine Ausbildung in dieser Richtung habe ich nicht. Ich bin der Meinung, dass man Kreativität und/oder Talent nicht antrainiert bekommen kann. Entweder man hat es, oder eben nicht. So etwas muss von Herzen kommen, man muss eine Verbindung eingehen können. Man muss es leben und fühlen. Und ich glaube, dass ich dies recht intensiv mache. Und somit schreibe ich Artikel in unterschiedlichsten Längen für Zeitungen und Zeitschriften, übernehme Auftragsarbeiten und stehe auch als Texter und Skriptschreiber zur freien Verfügung. Wer in dieser Richtung Aufträge zu vergeben hat, darf sich gerne an mich wenden. Eine Kontaktaufnahme ist über anna-miller(at)o2online.de möglich.

Veröffentlicht am 6. März 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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