And the Echo goes to DEPECHE MODE

Juhu, es gibt doch noch Gerechtigkeit. Wir schreiben Donnerstag den 4. März 2010 und ich hatte mich auf einen durchschnittlichen Fernsehabend eingestellt. Langweiliges und emotionsloses dahin plätscherndes Fernsehprogramm. Aber dann geschah doch das schier unfassbare und mein Freudenschrei brachte zu später Abendstunde das Haus zum wackeln. Denn genau an diesem sonst für mich recht ereignislosen Tag gewann die Band, die mich seit inzwischen 22 Jahren mit ihrer tollen Musik begleitet, den Echo. Der Zeitpunkt war endlich gekommen, dass die deutsche Musikindustrie ihren Beitrag zum allgemeinen Musikgut entsprechend würdigt und Depeche Mode als beste internationale Band auszeichnet.

Eigentlich wollte ich mir diese schlaffe Veranstaltung nicht antun. Die langweilige und stellenweise zum Fremdschämen animierende Ausgabe vom letzten Jahr saß noch tief in meinen Gedanken fest und ich verspürte keine Lust, ein Déjà-vu zu erleben. Da aber nichts Ansprechenderes kam, ich sowieso nur nebenher die Flimmerkiste laufen hatte, entschied ich mich doch, dem Spektakel eine Chance zu geben. Mein Augenmerk lag mehr auf den Kastelruther Spatzen. Keine Panik, ich stehe nicht auf Volksmusik. Aber ich wollte die Gesichter der Anderen sehen, wenn die Herren ihren 13. Echo bekommen. Und so plätscherte diese Veranstaltung vor sich hin, ich am Schreibtisch, den Fernseher im Rücken, immer mal ein kurzer Schulterblick. Auf einmal passierte das Unfassbare. Die Kamera schwenkte über das Publikum und was musste ich da sehen? Martin, Andy und Daniel zwischen all den anderen Gästen. Meine Helden bei dieser Schnarchnasenveranstaltung. Ich flippte erst einmal gepflegt aus, stellte innerhalb von einer zehntel Sekunde auf Schnappatmung um und mein Interesse an dieser Sendung stieg schlagartig um 1000%. Just ab diesem Moment scannte ich die Publikumsreihen immer wieder nach meinen Helden ab.  Und siehe da, oft genug waren sie im Bild und der Moderator (Matthias Opdenhövel) schlich auch mit ein paar kessen Worten auf den Lippen zu einem Kurzinterview zu besagter reservierter Reihe. Andy erlaubte sich einen kleinen Scherz, indem er (den fehlenden Dave vertretend) Daniel kurzerhand als Dave vorstellte. Daniel, der allen Anscheins nach keine große Lust verspürte, von der Kamera ins Bild genommen zu werden, wurde somit doch unfreiwillig Teil der Szene. Herr Opdenhövel ging darauf ein und spielte mit. Ein Scherz für Eingeweihte. Ich habe mich köstlich amüsiert. Aber ich konnte das alles gar nicht glauben. Was machen meine Jungs denn da? Und warum wusste ich das nicht? Ich bin doch sonst immer gut informiert?

Mir war zwar bekannt, dass meine Helden für den Echo nominiert wurden, mit dem Erscheinen der Herren bei dieser Veranstaltung oder gar mit dem Gewinn dieser Trophäe hatte ich in keinster Weise gerechnet. Schließlich wird die Band regelmäßig übergangen, wenn es um die Würdigung der erbrachten Leistung geht. Wie hat Martin so treffend bei der Dankesrede angemerkt: ich kann an zwei Fingern abzählen, wie viele Auszeichnungen wir in den letzten 30 Jahren bekommen haben. Gut, mit dem zählen scheint es bei ihm nicht mehr ganz so gut zu klappen. An ein paar mehr kann ich mich schon erinnern. Trotzdem hat er recht. Besonders gehuldigt wurde der Band in diesen Jahren nicht.

Nun war bei mir – wie ihr euch sicherlich denken könnt – kein Halten mehr. Eine Flasche Prosecco musste her, um diesen Moment gebührend zu feiern. Da Dave nicht dabei war, konnte dies nur heißen, dass sie den Echo gewinnen. Denn ohne Dave – kein Auftritt. Ganz einfache Sache.

Die Veranstaltung zog sich wie Kaugummi in die Länge. Dann war es endlich soweit. Die Kastelruther Spatzen hatten ihren Echo bekommen und es folgte die Kategorie, in der Depeche Mode nominiert wurde. Die Laudatio übernahm kein geringerer als Paul van Dyk. Sehr gut gewählt, wenn ich mir darüber an dieser Stelle ein Urteil erlauben darf. Als die Band genannt wurde, entbrannte im Saal ein tosender Applaus und Standing Ovation vom Publikum und den Fans. Und nicht nur da. Auch bei mir hier in meinen bescheidenen vier Wänden war die Freude riesig. Ich schwöre euch, selbst die umliegenden Nachbarn hatten was von diesem Moment. Martin und Andy haben eine tolle kurze Dankesrede gehalten, die vor allen Dingen den deutschen Fans sehr ans Herz gegangen sein sollte. Denn genau diese wurden als die „Besten Fans“ genannt. Ein Abend, den ich so schnell nicht vergessen werde.

Eins frage ich mich aber immer wieder wenn ich solche Veranstaltungen sehe. Nehmt es mir nicht übel, aber an den internationalen Standard kommen die Lichtjahre entfernt. Was mag wohl so ein internationaler Star denken, wenn er unseren bunten deutschen Musikreigen erlebt? Ein Udo Lindenberg, der eindeutig Probleme hatte sich zu konzentrieren, die Volksmusikbrigade und Uschi Blum? Depeche Mode kannte das nun schon vom letzten Jahr und waren damals bekanntlich leicht irritiert. Aber zum Beispiel eine Beth Ditto. Die Dame hat zwar immer mächtig mit geklatscht und sich gefreut wie ein kleines Mädchen – aber ob das alles so echt war? Oder ob sie sich dachte: shit happens – muss ich wohl das Beste draus machen.

In diesem Sinne: gönnen wir den Jungs ihren wohlverdienten Urlaub und freuen uns auf die Dinge, die folgen werden.

Eure Anna

Über Anna Miller

Mein Name ist Anna Miller, ich bin Baujahr 1974. Meine Kindheit und Jugend verbrachte ich wohlbehütet unter der Fahne des Arbeiter- und Bauernstaates. Ich war Mitglied bei den Jung- und Thälmannpionieren, um dann nahtlos in die FDJ zu wechseln. Dort schaffte ich es bis in die GOL und kümmerte mich um die Feriengestaltung unserer Hortkinder und die Organisation diverser Kinder- und Jugendfeste. Um gleich etwaige Vorurteile aus dem Weg zu räumen: Dies hatte nichts mit Parteiarbeit oder ähnlichem zu tun. Damals war es noch üblich, dass auch in den Ferien die Kinder der unteren Klassenstufen in der Schule betreut werden. Zu meinen Aufgaben zählte zum Beispiel die Organisation von Schwimmbad- und Kinobesuchen, Bastelnachmittagen und ähnlichen Aktionen. Da mit dem Ende meiner Schulzeit auch Schluss mit dem Arbeiter- und Bauernstaat war, musste ich mich mit der harten Realität des Kapitalismus auseinander setzen und mir eine Lehrstelle suchen. Die Zeiten, in denen davon genug zur Verfügung standen, fein säuberlich aufgelistet in einer Broschüre die sich „Lehrstellenverzeichnis“ nannte, gehörten nämlich ebenfalls der Vergangenheit an. Aber ich hatte Glück. Durch alte „Beziehungen“, konnte ich eine Lehre zum Augenoptiker ergattern und absolvieren. Nicht mein Traumberuf, aber es war ein Beruf und ein Start in das vor mir liegende Leben. Nach Beendigung meiner Lehre war ich 10 Jahre in diesem Beruf tätig. Da Arbeiten aber nicht alles ist, was ein Leben so ausmacht, beschloss ich, mich nebenbei der Familienplanung zu widmen. Und wie es so ist mit dem planen – nicht alles klappt auf Anhieb. Geklappt hatte es erst, nachdem sich der potenzielle Vater meines nun inzwischen schulpflichtigen Sohnes entschloss, seine Familienplanung noch etwas auf Eis zu legen. Das Ende vom Lied: Ich bin eine alleinerziehende Mutti, die sich um ein kleines Sorgenkind kümmern muss. Der liebe Gott hat es mit meinem Sohn leider nicht ganz so gut gemeint und ihm einige Krankheiten mit auf den Weg gegeben. Unter anderem eine Entwicklungsstörung, die nach viel Förderung in verschiedenen Bereichen verlangt. Der Vater meines Sohnes beteiligt sich am Leben seines Kindes fast ausschließlich in Form der ihm gesetzlich vorgeschriebenen finanziellen Unterstützung. Durch die fast täglichen Termine mit meinem Sohn bei diversen Therapeuten und Frühförderstellen war es mir nach der Elternzeit nicht mehr möglich, in meinen alten Beruf zurück zu kehren. Ein kleines - noch dazu krankes - Kind und die Arbeitszeiten im Handel lassen sich einfach nicht miteinander vereinbaren. Und somit entschied ich mich, in die Selbständigkeit zu wechseln. Für mich damals die einzige Möglichkeit, nicht von Hartz IV leben zu müssen. Ich träumte von Heimarbeit, die ich notfalls auch dann machen konnte, wenn Sohnemann krank ist oder schläft. Büroorganisation und Telefonservice war das, was mir vorschwebte. Was mir angeboten wurde, war ein bunter Strauß voll Betrügereien und Abzockereien. Ich hatte nun inzwischen schon einiges in meinem Leben mitgemacht und erlebt, aber was ich während dieser Zeit an Niederträchtigkeit und Skrupellosigkeit erleben musste, sprengt glaube ich jede Vorstellungskraft. Weil die Zahlungsmoral meiner Kunden teilweise genau so schlecht war wie ihre Absichten und durch zusätzliche private Schicksalsschläge, musste ich mein Leben neu überdenken und ordnen. Da ich schon immer sehr gerne geschrieben und gelesen habe, war für mich der Zeitpunkt gekommen, mein Hobby zum Beruf zu machen. Wobei der Begriff „Beruf“ das falsche Wort ist. Für mich ist es viel mehr. Es ist meine Berufung. Schreiben ist genau das, was mir Spaß macht, wo ich mit Freude dabei sein kann und was mich und mein Leben am ehesten widerspiegelt. Eine Ausbildung in dieser Richtung habe ich nicht. Ich bin der Meinung, dass man Kreativität und/oder Talent nicht antrainiert bekommen kann. Entweder man hat es, oder eben nicht. So etwas muss von Herzen kommen, man muss eine Verbindung eingehen können. Man muss es leben und fühlen. Und ich glaube, dass ich dies recht intensiv mache. Und somit schreibe ich Artikel in unterschiedlichsten Längen für Zeitungen und Zeitschriften, übernehme Auftragsarbeiten und stehe auch als Texter und Skriptschreiber zur freien Verfügung. Wer in dieser Richtung Aufträge zu vergeben hat, darf sich gerne an mich wenden. Eine Kontaktaufnahme ist über anna-miller(at)o2online.de möglich.

Veröffentlicht am 10. März 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

  1. Hey,
    schön noch ein Bloggerin gefunden zu haben, bei der Depeche Mode auch ein Thema ist. Hier werde ich sicher nochmal vorbeischauen. 🙂
    Liebe Grüße
    Fabs

  2. Liebe Fabs,

    vielen Dank für deinen netten Eintrag. Ich werde die Depeche Mode Sparte in den nächsten Tagen auch deutlich erweitern. Bin riesen Fan von ihrer Musik und freue mich natürlich immer, wenn ich von anderen Fans Besuch bekomme. Grins.

    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende.

    Liebe Grüße
    Anna

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