Der Pöbel stürmt den Palast

Es gibt Momente im Leben, da muss man Dinge tun, die eigentlich nicht zu einem passen. Man muss über seinen eigenen Schatten springen und Vorurteile abschütteln. So ging es auch mir, als ich mich das erste Mal mit meinem Sohn in die Nähe eines  5-Sterne Hotels wagte. Und das kam so:

Nach einem wahren Marathon bei diversen Ärzten, den mein Sohn zu absolvieren hatte, beschloss ich, dass es an der Zeit ist, mal einen Kurzurlaub einzulegen, um das Erlebte verarbeiten zu können und um Kraft für die nächsten anstehenden Termine zu sammeln. Und wo kann man dies am besten tun? Natürlich in einem guten Hotel mit Verwöhnservice.  Ich beschloss also, mal solch einen Luxustempel aufzusuchen, um ein wenig Abstand vom Alltagsstress nehmen zu können und ein paar Verwöhntage einzulegen. Nichts leichter als das. Immerhin gibt es reichlich von diesen Einrichtungen. Ich entschied mich für das Hyatt in Berlin. (Richtig, das ist das Hotel, indem der Überfall auf das Pokerturnier war. Keine Panik, ich war es nicht.) Es ist gut zu erreichen, nicht allzu weit weg und das Hotel liegt so zentral, dass es fast schon zu schön ist. 3 Restaurants, Pool, Sonnenterasse, Essen und Trinken rund um die Uhr – Herz was willst du mehr.

Ich rief dort an, um ganz todesmutig ein Zimmer für 3 Nächte zu buchen. Dies wäre zwar auch im Internet möglich gewesen, aber dort war alles nur auf Englisch und ich musste für meinen Sohn einige Extras im Zimmer bereitstellen lassen. Ich hatte Angst, dass dies bei einer Reservierung per Internet nicht klappen könnte. Die Dame am anderen Ende der Leitung war sehr nett, nahm meine Daten und Wünsche auf und fragte mich dann doch allen Ernstes, wie ich anreisen möchte. Sollte ich per Flug oder Zug kommen, könnte mich der Limousinenservice abholen. Haha. Danke, wir schaffen das auch so.

Nun gab es für unseren ersten Auftritt in der Welt der Reichen und Schönen noch einige Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Und die waren meiner Einschätzung nach doch recht hoch. Da ich nicht dazu neige, meinen Körper irgendwelchen Luxusgesetzen zu beugen und eher der Schlichtheit  den Vorzug gebe, hatte ich Angst, dass wir dort auffallen würden. Wenn man an solche Hotels denkt, denkt man unweigerlich an American Express in Platin, an Luxuslimousinen, Silikon und Botox, Armani, Prada und Konsorten. Die Medien unterstützen diese Vorstellungen regelmäßig durch Reportagen und Berichte, in denen genau solche Statussymbole über die Mattscheibe flimmern dürfen.

Unser Auftritt musste also präzise geplant werden. Ein dickes Auto zum vorfahren habe ich nicht. Um ehrlich zu sein, ich habe gar kein Auto. Also musste hier Lösung Nummer 1 her. Ein Mietwagen in akzeptabler Größe war nicht bezahlbar. Mit einem Polo braucht man da nicht aufschlagen, der Doorman würde einen wahrscheinlich gleich durchwinken. Die Anreise musste also mit dem Zug erfolgen. Das war ohne weiteres machbar.

Problem Nummer 2 war das fehlende hochwertige Gepäck und unsere markenfreie Bekleidung. Aber auch hier wusste ich geschickt zu improvisieren. Denn sind wir mal ehrlich. Das meiste im Leben ist doch eh mehr Schein als Sein. Ich vertraute einfach auf meine schlichte Eleganz und trug meine Sachen mit Stolz. Meinen kleinen Sohn steckte ich in peppige und farbenfrohe Outfits. Das passte also auch.

Wir reisten standesgemäß mit der Regionalbahn an. Holzklasse, versteht sich. Vom Bahnhof aus ging es mit dem Taxi Richtung Hotel. Da ich im Vorfeld aus Kostengründen das freundliche Angebot mit dem Limousinenservice abgelehnt hatte und per U-Bahn und dann zu Fuß sicherlich auch nicht der beste erste Eindruck von uns gewesen wäre, war dies die einzig akzeptable Lösung. Die Entfernung war nicht allzu groß, somit hielten sich die Kosten für die Taxifahrt glücklicher weise auch in Grenzen. Mein Sohn konnte sein Glück gar nicht fassen. Endlich mal Taxi fahren.

Das Hotel war von außen schon ein Traum. Allein die Lage. Direkt auf dem Potsdamer Platz. Hach, wie schön. Mein Puls bewegte sich in gefährlichen Regionen. Jetzt nur keinen Fehler machen. Auffallen tun wir so schon genug. Ein zusätzlicher Fauxpas wäre das gesellschaftliche Todesurteil. Das Taxi hielt, der Doorman (ja, so heißen die netten Jungs vor der Tür, die einem das Gepäck abnehmen und die Tür aufhalten)eilte herbei und half uns aus dem Auto. Mein Sohn wurde freudig begrüßt, alles wunderbar. Auch beim Einchecken gab es keine Probleme. Das Zimmer war perfekt hergerichtet. Alle Annehmlichkeiten, die man sich nur vorstellen konnte waren vorhanden. Selbst für meinen Sohn stand ein kleines Geschenk bereit. Das muss man sich mal vorstellen.

Und was war mit meinen anderen Befürchtungen? Die operierten Damen in Gucci und co.? Die nörgelnden Gäste mit den unmöglichen Wünschen? Tja Freunde, nix dergleichen war in Sichtweite. Ein paar vereinzelte gab es schon, bei denen die Parfümwolke die dazugehörige Dame schon deutlich vor ihrem Erscheinen ankündigte. Aber ansonsten alles sehr normal. Keine übermäßige Schminke, keine Plastiknägel, kein Silikon. Vielleicht lag es daran, dass dies ein Businesshotel ist und nicht die Spielwiese der Neureichen. Dort muss niemand mit seinem Vermögen angeben. Auch meinem Sohn gegenüber waren alle sehr zuvorkommend und aufmerksam.

Alles in allem hatten wir ein paar wunderschöne Tage, voller Erholung und toller Erlebnisse. Inzwischen sind wir schon des Öfteren in solchen Hotels gewesen. Das Hyatt in Berlin zählt dabei zu unseren Lieblingshotels. Ich kann es nur jedem empfehlen, mal solch ein Angebot wahr zu nehmen. Besser kann man sich nicht erholen. Gut, es kostet ein paar Euros mehr als ein 3 – Sterne Haus. Aber Freunde, es lohnt sich auf jeden Fall. Man muss nicht immer 4 Stunden mit dem Flieger unterwegs sein, um ein paar erholsame Tage zu erleben. Meist liegt die Erholung doch näher als man denkt. Und macht euch keine Gedanken darüber, was andere von euch denken könnten. Ihr seid so wie ihr seid – und das ist gut so.

In diesem Sinne: gute Erholung

Eure Anna

Über Anna Miller

Mein Name ist Anna Miller, ich bin Baujahr 1974. Meine Kindheit und Jugend verbrachte ich wohlbehütet unter der Fahne des Arbeiter- und Bauernstaates. Ich war Mitglied bei den Jung- und Thälmannpionieren, um dann nahtlos in die FDJ zu wechseln. Dort schaffte ich es bis in die GOL und kümmerte mich um die Feriengestaltung unserer Hortkinder und die Organisation diverser Kinder- und Jugendfeste. Um gleich etwaige Vorurteile aus dem Weg zu räumen: Dies hatte nichts mit Parteiarbeit oder ähnlichem zu tun. Damals war es noch üblich, dass auch in den Ferien die Kinder der unteren Klassenstufen in der Schule betreut werden. Zu meinen Aufgaben zählte zum Beispiel die Organisation von Schwimmbad- und Kinobesuchen, Bastelnachmittagen und ähnlichen Aktionen. Da mit dem Ende meiner Schulzeit auch Schluss mit dem Arbeiter- und Bauernstaat war, musste ich mich mit der harten Realität des Kapitalismus auseinander setzen und mir eine Lehrstelle suchen. Die Zeiten, in denen davon genug zur Verfügung standen, fein säuberlich aufgelistet in einer Broschüre die sich „Lehrstellenverzeichnis“ nannte, gehörten nämlich ebenfalls der Vergangenheit an. Aber ich hatte Glück. Durch alte „Beziehungen“, konnte ich eine Lehre zum Augenoptiker ergattern und absolvieren. Nicht mein Traumberuf, aber es war ein Beruf und ein Start in das vor mir liegende Leben. Nach Beendigung meiner Lehre war ich 10 Jahre in diesem Beruf tätig. Da Arbeiten aber nicht alles ist, was ein Leben so ausmacht, beschloss ich, mich nebenbei der Familienplanung zu widmen. Und wie es so ist mit dem planen – nicht alles klappt auf Anhieb. Geklappt hatte es erst, nachdem sich der potenzielle Vater meines nun inzwischen schulpflichtigen Sohnes entschloss, seine Familienplanung noch etwas auf Eis zu legen. Das Ende vom Lied: Ich bin eine alleinerziehende Mutti, die sich um ein kleines Sorgenkind kümmern muss. Der liebe Gott hat es mit meinem Sohn leider nicht ganz so gut gemeint und ihm einige Krankheiten mit auf den Weg gegeben. Unter anderem eine Entwicklungsstörung, die nach viel Förderung in verschiedenen Bereichen verlangt. Der Vater meines Sohnes beteiligt sich am Leben seines Kindes fast ausschließlich in Form der ihm gesetzlich vorgeschriebenen finanziellen Unterstützung. Durch die fast täglichen Termine mit meinem Sohn bei diversen Therapeuten und Frühförderstellen war es mir nach der Elternzeit nicht mehr möglich, in meinen alten Beruf zurück zu kehren. Ein kleines - noch dazu krankes - Kind und die Arbeitszeiten im Handel lassen sich einfach nicht miteinander vereinbaren. Und somit entschied ich mich, in die Selbständigkeit zu wechseln. Für mich damals die einzige Möglichkeit, nicht von Hartz IV leben zu müssen. Ich träumte von Heimarbeit, die ich notfalls auch dann machen konnte, wenn Sohnemann krank ist oder schläft. Büroorganisation und Telefonservice war das, was mir vorschwebte. Was mir angeboten wurde, war ein bunter Strauß voll Betrügereien und Abzockereien. Ich hatte nun inzwischen schon einiges in meinem Leben mitgemacht und erlebt, aber was ich während dieser Zeit an Niederträchtigkeit und Skrupellosigkeit erleben musste, sprengt glaube ich jede Vorstellungskraft. Weil die Zahlungsmoral meiner Kunden teilweise genau so schlecht war wie ihre Absichten und durch zusätzliche private Schicksalsschläge, musste ich mein Leben neu überdenken und ordnen. Da ich schon immer sehr gerne geschrieben und gelesen habe, war für mich der Zeitpunkt gekommen, mein Hobby zum Beruf zu machen. Wobei der Begriff „Beruf“ das falsche Wort ist. Für mich ist es viel mehr. Es ist meine Berufung. Schreiben ist genau das, was mir Spaß macht, wo ich mit Freude dabei sein kann und was mich und mein Leben am ehesten widerspiegelt. Eine Ausbildung in dieser Richtung habe ich nicht. Ich bin der Meinung, dass man Kreativität und/oder Talent nicht antrainiert bekommen kann. Entweder man hat es, oder eben nicht. So etwas muss von Herzen kommen, man muss eine Verbindung eingehen können. Man muss es leben und fühlen. Und ich glaube, dass ich dies recht intensiv mache. Und somit schreibe ich Artikel in unterschiedlichsten Längen für Zeitungen und Zeitschriften, übernehme Auftragsarbeiten und stehe auch als Texter und Skriptschreiber zur freien Verfügung. Wer in dieser Richtung Aufträge zu vergeben hat, darf sich gerne an mich wenden. Eine Kontaktaufnahme ist über anna-miller(at)o2online.de möglich.

Veröffentlicht am 12. März 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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