Big Brother is watching you

Heute an der Kasse bei Spiele Max die Frage aller Fragen: „Haben Sie eine Kundenkarte?“

Freunde glaubt mir, ich hasse diese Frage. Nicht nur, weil die Damen dort eigentlich inzwischen mitbekommen haben müssten, dass ich keine Kundenkarte habe und  – nein Danke – auch keine haben möchte, sondern weil ich genau weiß, dass es bei der Sache mit den Karten nicht nur darum geht, mir dort unwahrscheinlich tolle Geschenke nachzuwerfen, sondern die Betreiber dieser Punktesammelrabattkarten einfach nur scharf auf meine Daten sind. Der gläserne Kunde. Denn genau das ist es, womit jedes Jahr ein gigantischer Umsatz gemacht wird. Jedes Mal, wenn mit der Karte bezahlt wird, wird genau gespeichert, wann, wo und vor allen Dingen was gekauft wurde. Vom Brötchen bis zum Tampon, alles genau aufgezeichnet. Und danach wird die Werbung gestreut. Nun frage ich euch, was geht es andere an, was ich kaufe? Nichts!

Im Internet inzwischen genau das Gleiche. Ich buche ein Hotel in London, schaue mir vorher natürlich mehrere Angebote an. Wenn ich jetzt bestimmte Seiten aufrufe, bekomme ich genau von diesen Hotels Werbung eingeblendet. Was soll das? Freunde, solche Dinge nerven mich total.

Und über Preisausschreiben, Kreditkartenangebote und andere Datensammelaktionen möchte ich mich jetzt gar nicht erst auslassen. Vielleicht in einem anderen Beitrag, wenn sich mein Frust wieder verzogen hat.

Ich bin schwer am überlegen, ob ich mir ein Schild bastele, dass ich beim bezahlen immer gleich mit an der Kasse vorlege. „Ich habe keine Kundenkarte und möchte auch keine haben. Vielen Dank.“

In diesem Sinne: immer locker bleiben und nix aufschwatzen lassen.

Eure Anna

Über Anna Miller

Mein Name ist Anna Miller, ich bin Baujahr 1974. Meine Kindheit und Jugend verbrachte ich wohlbehütet unter der Fahne des Arbeiter- und Bauernstaates. Ich war Mitglied bei den Jung- und Thälmannpionieren, um dann nahtlos in die FDJ zu wechseln. Dort schaffte ich es bis in die GOL und kümmerte mich um die Feriengestaltung unserer Hortkinder und die Organisation diverser Kinder- und Jugendfeste. Um gleich etwaige Vorurteile aus dem Weg zu räumen: Dies hatte nichts mit Parteiarbeit oder ähnlichem zu tun. Damals war es noch üblich, dass auch in den Ferien die Kinder der unteren Klassenstufen in der Schule betreut werden. Zu meinen Aufgaben zählte zum Beispiel die Organisation von Schwimmbad- und Kinobesuchen, Bastelnachmittagen und ähnlichen Aktionen. Da mit dem Ende meiner Schulzeit auch Schluss mit dem Arbeiter- und Bauernstaat war, musste ich mich mit der harten Realität des Kapitalismus auseinander setzen und mir eine Lehrstelle suchen. Die Zeiten, in denen davon genug zur Verfügung standen, fein säuberlich aufgelistet in einer Broschüre die sich „Lehrstellenverzeichnis“ nannte, gehörten nämlich ebenfalls der Vergangenheit an. Aber ich hatte Glück. Durch alte „Beziehungen“, konnte ich eine Lehre zum Augenoptiker ergattern und absolvieren. Nicht mein Traumberuf, aber es war ein Beruf und ein Start in das vor mir liegende Leben. Nach Beendigung meiner Lehre war ich 10 Jahre in diesem Beruf tätig. Da Arbeiten aber nicht alles ist, was ein Leben so ausmacht, beschloss ich, mich nebenbei der Familienplanung zu widmen. Und wie es so ist mit dem planen – nicht alles klappt auf Anhieb. Geklappt hatte es erst, nachdem sich der potenzielle Vater meines nun inzwischen schulpflichtigen Sohnes entschloss, seine Familienplanung noch etwas auf Eis zu legen. Das Ende vom Lied: Ich bin eine alleinerziehende Mutti, die sich um ein kleines Sorgenkind kümmern muss. Der liebe Gott hat es mit meinem Sohn leider nicht ganz so gut gemeint und ihm einige Krankheiten mit auf den Weg gegeben. Unter anderem eine Entwicklungsstörung, die nach viel Förderung in verschiedenen Bereichen verlangt. Der Vater meines Sohnes beteiligt sich am Leben seines Kindes fast ausschließlich in Form der ihm gesetzlich vorgeschriebenen finanziellen Unterstützung. Durch die fast täglichen Termine mit meinem Sohn bei diversen Therapeuten und Frühförderstellen war es mir nach der Elternzeit nicht mehr möglich, in meinen alten Beruf zurück zu kehren. Ein kleines - noch dazu krankes - Kind und die Arbeitszeiten im Handel lassen sich einfach nicht miteinander vereinbaren. Und somit entschied ich mich, in die Selbständigkeit zu wechseln. Für mich damals die einzige Möglichkeit, nicht von Hartz IV leben zu müssen. Ich träumte von Heimarbeit, die ich notfalls auch dann machen konnte, wenn Sohnemann krank ist oder schläft. Büroorganisation und Telefonservice war das, was mir vorschwebte. Was mir angeboten wurde, war ein bunter Strauß voll Betrügereien und Abzockereien. Ich hatte nun inzwischen schon einiges in meinem Leben mitgemacht und erlebt, aber was ich während dieser Zeit an Niederträchtigkeit und Skrupellosigkeit erleben musste, sprengt glaube ich jede Vorstellungskraft. Weil die Zahlungsmoral meiner Kunden teilweise genau so schlecht war wie ihre Absichten und durch zusätzliche private Schicksalsschläge, musste ich mein Leben neu überdenken und ordnen. Da ich schon immer sehr gerne geschrieben und gelesen habe, war für mich der Zeitpunkt gekommen, mein Hobby zum Beruf zu machen. Wobei der Begriff „Beruf“ das falsche Wort ist. Für mich ist es viel mehr. Es ist meine Berufung. Schreiben ist genau das, was mir Spaß macht, wo ich mit Freude dabei sein kann und was mich und mein Leben am ehesten widerspiegelt. Eine Ausbildung in dieser Richtung habe ich nicht. Ich bin der Meinung, dass man Kreativität und/oder Talent nicht antrainiert bekommen kann. Entweder man hat es, oder eben nicht. So etwas muss von Herzen kommen, man muss eine Verbindung eingehen können. Man muss es leben und fühlen. Und ich glaube, dass ich dies recht intensiv mache. Und somit schreibe ich Artikel in unterschiedlichsten Längen für Zeitungen und Zeitschriften, übernehme Auftragsarbeiten und stehe auch als Texter und Skriptschreiber zur freien Verfügung. Wer in dieser Richtung Aufträge zu vergeben hat, darf sich gerne an mich wenden. Eine Kontaktaufnahme ist über anna-miller(at)o2online.de möglich.

Veröffentlicht am 17. März 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 6 Kommentare.

  1. Hinter diesem blog läuft google analytics und das ist watching me and you :-))
    Möchte an dieser Stelle keine Werbung für eines der anti google Bücher machen, aber empfehlen eines einmal zu lesen.
    Dagegen sind Kundenkarten Kindergeburtstag.
    Ich nehme nur noch die 10 Kaffee und Friseur Karten

  2. Hallo und guten Abend,

    ich weiß, das auch hier kräftig mit „geschaut“ wird. Aber auch da habe ich meine kleinen Sicherheiten eingebaut.
    Danke für deinen Buchtipp und deine netten Worte. Und schön, dass du dir auch nicht alles aufschwatzen lässt.

    Viele Grüße
    Anna

  3. Hey, hab grad ne Idee: beim nächsten Einkauf im Drogeriemarkt Shampoo und Duschhauben kaufen und das jedesmal – mit kundenkarte. mal schauen, was die daraus für schlüsse ziehen 😉

    liebe grüße, katerwolf

  4. Liebe Katerwolf,

    wahrscheinlich werde ich von denen dann als reifere Dame eingestuft und werbetechnisch in regelmäßigen Abständen über Inkontinenzeinlagen und Stützstrümpfe informiert.
    Wünsche Dir einen wunderschönen Frühlingstag.

    Liebe Grüße
    Anna

  5. Das mit der unverlangten Online-Werbung relativiert sich, wenn man darauf achtet, dass der Browser beim Schliessen alle Cookies löscht. Trotzdem Gemeinheit. Keine Frage.

  6. Lieber Fritz,

    vielen Dank für deinen Tipp und vor allen Dingen deinen netten Eintrag. Du weißt ja, Frauen und Technik – das passt nicht so recht. In meinem Fall auf jeden Fall…

    Wünsche Dir ein schönes Wochenende.
    Anna

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