Die „Wunderblume“ des Tages geht an…

Heute ist aber auch richtig was los.

Vorhin im Eisladen unseres Vertrauens. „Hach, du bist aber groß geworden.“ Gemeint ist mein Sohn. In meinem Alter wächst man bekanntlich nicht mehr so extrem, dass es ins Auge sticht und für ein Gesprächsthema herhalten könnte. „Ja, ist ein sehr großer Junge“, ist immer meine Standardantwort bei solchen Feststellungen. „Und Sie haben ihre Haare auch wieder dunkler gefärbt. Ach, ich mag es auch lieber dunkler.“ Diese Feststellung galt jetzt mir und meinem Haupt. Ja, auch ich mag es lieber dunkler auf dem Kopf. Schließlich bin ich – was meinen Kleidungsstil betrifft – auch eher in der dunkleren Farbpalette zu Hause. Passt also gut zusammen. Um ehrlich zu sein, war ich etwas verwirrt, warum uns diese Frau so ansprach. Ich kannte sie nur vom Sehen. Doch jedes Mal bin ich wieder aufs Neue erstaunt, wer mich und meinen Sohn so alles kennt. Oder meint zu kennen.

Nun gut, aber wo sollte das Gespräch hinführen? Treffen wir uns heute Abend, kämmen uns gegenseitig die Haare und sprechen über Jungs? Ich fand es ein wenig zu vertraut, nehme es ihr aber nicht krumm, dass sie uns mit solch lapidaren Dingen belästigt hat. Schieben wir es einfach auf das Wetter. Der laue Frühlingswind scheint wohl so manch einem kräftig zuzusetzen.

Mein Sohn hat trotzdem sein Eis genossen, ich meinen Tee (auch die haben schwarzen Tee) und einen Crêpes. So schnell lasse ich mich nicht vergraulen.

Deshalb geht die „Wunderblume“ des Tages für mich heute eindeutig an die nette Eisverkäuferin. Sie meint es ja nur gut.

In diesem Sinne: Freut euch über den Frühling.

Eure Anna

Über Anna Miller

Mein Name ist Anna Miller, ich bin Baujahr 1974. Meine Kindheit und Jugend verbrachte ich wohlbehütet unter der Fahne des Arbeiter- und Bauernstaates. Ich war Mitglied bei den Jung- und Thälmannpionieren, um dann nahtlos in die FDJ zu wechseln. Dort schaffte ich es bis in die GOL und kümmerte mich um die Feriengestaltung unserer Hortkinder und die Organisation diverser Kinder- und Jugendfeste. Um gleich etwaige Vorurteile aus dem Weg zu räumen: Dies hatte nichts mit Parteiarbeit oder ähnlichem zu tun. Damals war es noch üblich, dass auch in den Ferien die Kinder der unteren Klassenstufen in der Schule betreut werden. Zu meinen Aufgaben zählte zum Beispiel die Organisation von Schwimmbad- und Kinobesuchen, Bastelnachmittagen und ähnlichen Aktionen. Da mit dem Ende meiner Schulzeit auch Schluss mit dem Arbeiter- und Bauernstaat war, musste ich mich mit der harten Realität des Kapitalismus auseinander setzen und mir eine Lehrstelle suchen. Die Zeiten, in denen davon genug zur Verfügung standen, fein säuberlich aufgelistet in einer Broschüre die sich „Lehrstellenverzeichnis“ nannte, gehörten nämlich ebenfalls der Vergangenheit an. Aber ich hatte Glück. Durch alte „Beziehungen“, konnte ich eine Lehre zum Augenoptiker ergattern und absolvieren. Nicht mein Traumberuf, aber es war ein Beruf und ein Start in das vor mir liegende Leben. Nach Beendigung meiner Lehre war ich 10 Jahre in diesem Beruf tätig. Da Arbeiten aber nicht alles ist, was ein Leben so ausmacht, beschloss ich, mich nebenbei der Familienplanung zu widmen. Und wie es so ist mit dem planen – nicht alles klappt auf Anhieb. Geklappt hatte es erst, nachdem sich der potenzielle Vater meines nun inzwischen schulpflichtigen Sohnes entschloss, seine Familienplanung noch etwas auf Eis zu legen. Das Ende vom Lied: Ich bin eine alleinerziehende Mutti, die sich um ein kleines Sorgenkind kümmern muss. Der liebe Gott hat es mit meinem Sohn leider nicht ganz so gut gemeint und ihm einige Krankheiten mit auf den Weg gegeben. Unter anderem eine Entwicklungsstörung, die nach viel Förderung in verschiedenen Bereichen verlangt. Der Vater meines Sohnes beteiligt sich am Leben seines Kindes fast ausschließlich in Form der ihm gesetzlich vorgeschriebenen finanziellen Unterstützung. Durch die fast täglichen Termine mit meinem Sohn bei diversen Therapeuten und Frühförderstellen war es mir nach der Elternzeit nicht mehr möglich, in meinen alten Beruf zurück zu kehren. Ein kleines - noch dazu krankes - Kind und die Arbeitszeiten im Handel lassen sich einfach nicht miteinander vereinbaren. Und somit entschied ich mich, in die Selbständigkeit zu wechseln. Für mich damals die einzige Möglichkeit, nicht von Hartz IV leben zu müssen. Ich träumte von Heimarbeit, die ich notfalls auch dann machen konnte, wenn Sohnemann krank ist oder schläft. Büroorganisation und Telefonservice war das, was mir vorschwebte. Was mir angeboten wurde, war ein bunter Strauß voll Betrügereien und Abzockereien. Ich hatte nun inzwischen schon einiges in meinem Leben mitgemacht und erlebt, aber was ich während dieser Zeit an Niederträchtigkeit und Skrupellosigkeit erleben musste, sprengt glaube ich jede Vorstellungskraft. Weil die Zahlungsmoral meiner Kunden teilweise genau so schlecht war wie ihre Absichten und durch zusätzliche private Schicksalsschläge, musste ich mein Leben neu überdenken und ordnen. Da ich schon immer sehr gerne geschrieben und gelesen habe, war für mich der Zeitpunkt gekommen, mein Hobby zum Beruf zu machen. Wobei der Begriff „Beruf“ das falsche Wort ist. Für mich ist es viel mehr. Es ist meine Berufung. Schreiben ist genau das, was mir Spaß macht, wo ich mit Freude dabei sein kann und was mich und mein Leben am ehesten widerspiegelt. Eine Ausbildung in dieser Richtung habe ich nicht. Ich bin der Meinung, dass man Kreativität und/oder Talent nicht antrainiert bekommen kann. Entweder man hat es, oder eben nicht. So etwas muss von Herzen kommen, man muss eine Verbindung eingehen können. Man muss es leben und fühlen. Und ich glaube, dass ich dies recht intensiv mache. Und somit schreibe ich Artikel in unterschiedlichsten Längen für Zeitungen und Zeitschriften, übernehme Auftragsarbeiten und stehe auch als Texter und Skriptschreiber zur freien Verfügung. Wer in dieser Richtung Aufträge zu vergeben hat, darf sich gerne an mich wenden. Eine Kontaktaufnahme ist über anna-miller(at)o2online.de möglich.

Veröffentlicht am 19. März 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 8 Kommentare.

  1. jaaaa, der frühling kommt!!! ich komme übrigens aus einem bundesland, in dem man so ziemlich überall ein schwätzchen hält, im wald, im geschäft, tankstelle…ist bei uns normal 😆

  2. Na da kann sich ein Spaziergang ja unwahrscheinlich in die Länge ziehen. Hach, ich habe immer das Problem, das ich ein wenig schüchtern bin und mich so ein spontanes „Angequatsche“ leicht aus der Bahn wirft. Ich weiß dann immer nicht, was ich sagen soll. Lach.

    Liebe Grüße
    Anna

  3. Als Besitzerin eines kleinen Cafés würde ich mein Herz unverzüglich an die Eisladen-Fachkraft Deines Vertrauens verlieren, seufz. Zu den bevorzugten Eigenschaften einer spitzen Gastro-Tante zählen Neugier, ein gutes Gedächtnis und die Fähigkeit, den Gast in ein rosa-flauschiges Wölkchen aus netten Schmeicheleien und Aufmerksamkeiten zu hüllen. Welch freudestrahlende Alternative zu den sonst üblichen Aldi Nord Wanne-Eickel Gesichtern in der Gastronomie, lach. Da fällt mir ein: Hat mir schon mal ein Blogger einen Beitrag gewidmet? ^^

    Liebe Grüße
    Annabell

  4. Liebe Annabell,

    ja,merken kann die junge Frau sich wirklich eine Menge. Und immer nett. Da kann man nicht meckern. Auch ich habe schon Bekanntschaft mit deutlich mieser gelaunten Exemplaren gemacht. Wünsche dir alles Gute für dein Cafe.

    Liebe Grüße
    Anna

  5. Hallo Anna,
    ich habe mich auch nie getraut, den Mund aufzumachen und bekam Panik, wenn mich Leute ansprachen. Das hat sich zum Glück etwas gelegt und manchmal gebe ICH mir sogar Mühe, z. B. im Bäckerladen, mal einen netten Satz zu sagen, weil ich gespürt habe, daß es MIR gut tut, mich nicht nur in mich selbst zu verkriechen. Aber wenn man schüchtern, ängstlich oder menschenscheu ist wie ich, dann ist das immer ein schwerer Schritt. Aber hier kann ich zu mir selbst sagen: Übung macht den Meister. Allerdings würde mich zu viel Labern und zu große Neugier eher auch abschrecken.
    Liebe Grüße!

  6. Liebe Lola,

    erst einmal vielen Dank für deinen sehr netten Eintrag.
    Ich wäre auch lieber viel offener und Gesprächsfreudiger. Aber bei mir steht halt – genau so wie bei dir – das introvertierte im Weg. Wie du schon schreibst; Übung macht den Meister und ich muss wohl noch ein wenig an mir arbeiten.

    Viele Grüße und einen schönen Sonntag.
    Anna

  7. Ich finde es sehr schade, dass ruhige Seelen oft als unangenehm oder gar arrogant aufgefasst werden. Zurückhaltende Servicemitarbeiter schätze ich häufig sogar mehr, als die mit allen Wassern gewaschenen Plaudertaschen, die vordergründig höflich erscheinen, allerdings auch schnell auf die Nerven fallen. Der Ton macht die Musik. Lieber ein wortlos, warmes Lächeln als die Frage, was denn die männliche Begleitung vom letzten Mal so macht, wenn ich mit meinen Freund in das Café stolziere, lach. Reden ist silber, schweigen ist Gold ^^.

  8. Deine Worte in Gottes Gehörgang. Solange sie sachlich bleiben und nicht wirklich private Dinge erfragen wollen, versuche ich mich so gut wie möglich zu schlagen und genau so belanglos – wie die Frage war – zu antworten. Nervt es mich, gehe ich nicht mehr hin. Ich bin halt auch nicht der Typ, der mit fremden Menschen – Auge in Auge – Konversation betreibt. Hier fällt es mir leicht. Man sieht sich nicht, das verunsichert mich nicht. Aber „auf der Straße“ bin ich eher der Part, der immer als en wenig böse dreinschauend beurteilt wird. Dabei bin ich das wirklich nicht.

    Liebe Grüße
    Anna

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