Achtung – eine Kontaktanzeige

Der folgende Artikel ist für meinen Papa. Der sucht nämlich seit geraumer Zeit einen Mann. Nicht für sich – nein, er ist mit meiner Mama seit fast 37 Jahren glücklich verheiratet – sondern für mich. Ja, so ist er, mein Papa. Sehr besorgt um seine Tochter. Ich weiß nicht, warum er der Meinung ist, das in meinem Haushalt ein Mann fehlt und er es so eilig hat, ein passendes Exemplar für mich zu finden. Wohne ich noch zu Hause? Nein. Liege ich ihm finanziell auf der Tasche? Nein. Muss er Angst haben, dass ich ihm in absehbarer Zeit finanziell auf der Tasche liegen könnte? Zum Beispiel zwecks Kosten für eine Unterbringung in einer Seniorenresidenz? Nein. Ich bin gesundheitlich und körperlich top in Schuss. Die häusliche Krankenpflege hat noch keinen Schlüssel für meine Wohnung und auf „Essen auf Rädern“ kann ich noch gut verzichten. Kurz gesagt, ich fühle mich sehr wohl mit meiner jetzigen Lebenssituation. Und immerhin habe ich einen Mann hier wohnen. Ok, er ist erst 5 Jahre alt und die handwerklichen Fähigkeiten sind noch nicht ganz so ausgeprägt, aber er lärmt und schmutzt schon wie ein Großer. Und Essen tut er. Eieiei, ich kann euch sagen… Ich schlussfolgere einfach mal aus dem Interesse nach männlichem (Größe: über Tischkante) Zuwachs in unserer liebenswerten Familie, das es ihm einen kalten Schauer über den Rücken jagt, wenn er an die Renovierung meines Wohnzimmers denkt. Die steht nämlich vor der Tür und er muss wohl oder übel ran.

Nun kam mein lieber Papa auf die Idee, dass ich doch in meinem „Blogdings“ (so nennt er das hier) mal eine Anzeige aufgeben könnte.

Lieber Papa, weil bald Ostern ist und ich dich ganz doll mag, hier Deine Kontaktanzeige:

Netter, sympathischer, lebensfroher, treuer, einfühlsamer und humorvoller Mittfünfziger mit vollem Haar und fester Beziehung , finanziell unabhängig, da angestellt in leitender (nicht leidend) Position sucht für seine Tochter (diese hier nicht näher beschrieben werden möchte) einen Mann, der diesen unten aufgeführten Songtext kennt und sich damit identifizieren kann.

P.S.: da dieser Text von einem Mann für eine Frau geschrieben wurde, ich doch aber eindeutig in sexueller Beziehung zum männlichen Geschlecht tendiere, habe ich einige wenige Textänderungen vornehmen müssen.

Ok, es geht los:

Somebody

I want somebody to share

Share the rest of my life

Share my innermost thoughts

Know my intimate details

Someone who´ll stand by my side

And give me support

And in return

He´ll get my support

He will listen to me

When I want to speak

About the world we live in

And life in gerneral

Though my views may be wrong

They may even be perverted

He´ll hear me out

And won´t easily be converted

To my way of thinking

In fact he´ll often disagree

But at the end o fit all

He will understand me

I want somebody who cares

For me passionately

With every thought and with every breath

Someone who´ll help me see things

In a different light

All the things I detest

I will almost like

I don´t want to be tied

To anyone´s string

I´m carefully trying to steer clear

Of those things

But when I´m asleep

I want someboby

Who will put their arms around me

And kiss me tenderly

Though things like this

Make me sick

In a case like this

I´ll get away with it

Und allen, die es bis hierher geschafft haben, sich von diesem Text und der Beschreibung angesprochen fühlen, sei noch eine Sache gesagt: von Minnegesängen und Huldigungen vor meinem Schlafzimmerfenster bitte ich Abstand zu nehmen. Da mein Papa jemanden sucht, tragt gefälligst die Sachen auch dort vor.

In diesem Sinne: immer locker durch die Hose atmen

Eure Anna

Über Anna Miller

Mein Name ist Anna Miller, ich bin Baujahr 1974. Meine Kindheit und Jugend verbrachte ich wohlbehütet unter der Fahne des Arbeiter- und Bauernstaates. Ich war Mitglied bei den Jung- und Thälmannpionieren, um dann nahtlos in die FDJ zu wechseln. Dort schaffte ich es bis in die GOL und kümmerte mich um die Feriengestaltung unserer Hortkinder und die Organisation diverser Kinder- und Jugendfeste. Um gleich etwaige Vorurteile aus dem Weg zu räumen: Dies hatte nichts mit Parteiarbeit oder ähnlichem zu tun. Damals war es noch üblich, dass auch in den Ferien die Kinder der unteren Klassenstufen in der Schule betreut werden. Zu meinen Aufgaben zählte zum Beispiel die Organisation von Schwimmbad- und Kinobesuchen, Bastelnachmittagen und ähnlichen Aktionen. Da mit dem Ende meiner Schulzeit auch Schluss mit dem Arbeiter- und Bauernstaat war, musste ich mich mit der harten Realität des Kapitalismus auseinander setzen und mir eine Lehrstelle suchen. Die Zeiten, in denen davon genug zur Verfügung standen, fein säuberlich aufgelistet in einer Broschüre die sich „Lehrstellenverzeichnis“ nannte, gehörten nämlich ebenfalls der Vergangenheit an. Aber ich hatte Glück. Durch alte „Beziehungen“, konnte ich eine Lehre zum Augenoptiker ergattern und absolvieren. Nicht mein Traumberuf, aber es war ein Beruf und ein Start in das vor mir liegende Leben. Nach Beendigung meiner Lehre war ich 10 Jahre in diesem Beruf tätig. Da Arbeiten aber nicht alles ist, was ein Leben so ausmacht, beschloss ich, mich nebenbei der Familienplanung zu widmen. Und wie es so ist mit dem planen – nicht alles klappt auf Anhieb. Geklappt hatte es erst, nachdem sich der potenzielle Vater meines nun inzwischen schulpflichtigen Sohnes entschloss, seine Familienplanung noch etwas auf Eis zu legen. Das Ende vom Lied: Ich bin eine alleinerziehende Mutti, die sich um ein kleines Sorgenkind kümmern muss. Der liebe Gott hat es mit meinem Sohn leider nicht ganz so gut gemeint und ihm einige Krankheiten mit auf den Weg gegeben. Unter anderem eine Entwicklungsstörung, die nach viel Förderung in verschiedenen Bereichen verlangt. Der Vater meines Sohnes beteiligt sich am Leben seines Kindes fast ausschließlich in Form der ihm gesetzlich vorgeschriebenen finanziellen Unterstützung. Durch die fast täglichen Termine mit meinem Sohn bei diversen Therapeuten und Frühförderstellen war es mir nach der Elternzeit nicht mehr möglich, in meinen alten Beruf zurück zu kehren. Ein kleines - noch dazu krankes - Kind und die Arbeitszeiten im Handel lassen sich einfach nicht miteinander vereinbaren. Und somit entschied ich mich, in die Selbständigkeit zu wechseln. Für mich damals die einzige Möglichkeit, nicht von Hartz IV leben zu müssen. Ich träumte von Heimarbeit, die ich notfalls auch dann machen konnte, wenn Sohnemann krank ist oder schläft. Büroorganisation und Telefonservice war das, was mir vorschwebte. Was mir angeboten wurde, war ein bunter Strauß voll Betrügereien und Abzockereien. Ich hatte nun inzwischen schon einiges in meinem Leben mitgemacht und erlebt, aber was ich während dieser Zeit an Niederträchtigkeit und Skrupellosigkeit erleben musste, sprengt glaube ich jede Vorstellungskraft. Weil die Zahlungsmoral meiner Kunden teilweise genau so schlecht war wie ihre Absichten und durch zusätzliche private Schicksalsschläge, musste ich mein Leben neu überdenken und ordnen. Da ich schon immer sehr gerne geschrieben und gelesen habe, war für mich der Zeitpunkt gekommen, mein Hobby zum Beruf zu machen. Wobei der Begriff „Beruf“ das falsche Wort ist. Für mich ist es viel mehr. Es ist meine Berufung. Schreiben ist genau das, was mir Spaß macht, wo ich mit Freude dabei sein kann und was mich und mein Leben am ehesten widerspiegelt. Eine Ausbildung in dieser Richtung habe ich nicht. Ich bin der Meinung, dass man Kreativität und/oder Talent nicht antrainiert bekommen kann. Entweder man hat es, oder eben nicht. So etwas muss von Herzen kommen, man muss eine Verbindung eingehen können. Man muss es leben und fühlen. Und ich glaube, dass ich dies recht intensiv mache. Und somit schreibe ich Artikel in unterschiedlichsten Längen für Zeitungen und Zeitschriften, übernehme Auftragsarbeiten und stehe auch als Texter und Skriptschreiber zur freien Verfügung. Wer in dieser Richtung Aufträge zu vergeben hat, darf sich gerne an mich wenden. Eine Kontaktaufnahme ist über anna-miller(at)o2online.de möglich.

Veröffentlicht am 20. März 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 4 Kommentare.

  1. Lach, das ist absolut großartig! Mir fehlen die Worte! Fünf Sterne mit Schlumpfstempel für diese Perle am Himmel der Blogeinträge! Wäre ich ein Mann, würde ich mich sofort unsterblich in Dich verlieben ^^

    Ganz liebe Grüße
    Annabell

  2. Liebe Annabell,

    tja, leider stehe ich nicht auf Frauen. Lach.
    Vielen dank für deinen lieben Eintrag. papa hat sich auch gefreut. Grins.

    Liebe Grüße
    Anna

  3. liebe anna,

    1. du hast einen tollen papa
    2. wie süß 😆
    3. was machst du denn, wenn sich jetzt jemand auf deine anzeige meldet? schon überlegt? 😉

    liebe grüße, katerwolf

  4. Dir auch einen wunderschönen Sonntag,

    ich werde das dann an meinen Papa weiterleiten. Lach. Der nimmt dann die entsprechende Qualitätskontrolle vor und sondiert.

    Liebe Grüße
    Anna

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