Mama, Du musst ganz dolle pusten

Jede gestandene Mutter kennt das. Einmal im Jahr – irgendwie immer kurz vor Ostern – klopft mein persönlicher Albtraum an die Tür. Oder, um korrekt zu sein, er stand an der Tür des Kindergartens meines Sohnes. „Liebe Eltern (also ich), bitte geben Sie ihrem Kind 4 ausgeblasene Eier mit. Wir möchten eine kleine Osterüberraschung basteln. Das Kindergartenteam“

Nun habe ich bei solchen Dingen immer schwer mit Motivationsproblemen zu kämpfen. Zum Einen, weil ich keine Lunge wie ein Leistungssportler habe und beim ausblasen von Eiern somit auch schnell konditionell an meinem Limit angekommen bin. Zum Anderen, weil ich nicht wirklich nachvollziehen kann, warum man im Kindergarten leere Eierschalen bemalen muss, die meist den Transport ins heimische Wohnzimmer nicht überstehen. Denn seltsamer Weise sind die Umverpackungen, in denen man die Eier unbemalt im Kindergarten abgegeben hat, auf einmal nicht mehr vorhanden. So, und dann transportiert die Dinger mal nach Hause. Mit den Fahrrad. Nicht so einfach. Nun ja, was will man machen, da muss man durch. Die letzten 2 Jahre hat meine Mama diesen Job übernommen und wunderbare Eierschalen abgeliefert. In diesem Jahr muss ich leider selber ran, da meine liebe Mama krank ist und somit nicht zur Verfügung steht.

Das Abendbrot war somit gebongt. Rührei, was sonst. Ich habe mich dann auch gleich an die Herstellung der geforderten Ware gemacht. Frisch gestärkt, meinen Kleinen vor dem Fernseher geparkt (er sollte ja von meinem Anblick in unvorteilhafter Haltung keine bleibenden Schäden davon tragen)und die zu bearbeitenden Objekte auf dem Küchentisch aufgereiht, ging es los. Das erste Ei zerbrach schon bei dem Versuch, die zwei benötigten Löcher reinzupickern. Toller Start. Das baut mich auf und spornt mich ungemein an. Ins zweite Ei bekam ich wenigstens die Löcher, ich zerdrückte es aber beim ausblasen. Bingo. Zum Glück hatte ich eine große Packung.

Ich machte mir darauf hin erst mal einen Tee. Nerven beruhigen und Lunge stärken. Das nächste Ei klappte dann ganz gut. Meine Lunge hing zwar jetzt auf halb zwölf, aber das Ei war leer. Und ganz. Na bitte. Nach jedem Ei brauchte ich nun eine längere Pause, um meine Lungen wieder auf Normal zu trimmen und meine Augen wieder in die dafür vorgesehenen Höhlen zu verfrachten.

Durch die Geräusche, die unweigerlich bei dieser Tätigkeit entstehen, fühlte sich mein Sohn natürlich angesprochen, genau diesen mal auf den Grund zu gehen. Im Moment spielt er gerne Detektiv und schleicht sich immer an. „Mama, was machst du da?“, und schon stand er neben mir. „Oh Süßer, ich mache was für deinen Kindergarten. Ihr wollt da was basteln, und da muss ich ein paar Eier für ausblasen.“ „Mama, da musst du ganz dolle pusten“, hat mir mein Kurzer dann noch mit auf den Weg gegeben. „Guck, so wie ich“ und Nieselregen ging auf meiner Arbeitsplatte nieder.

Die Geräusche, vor allen Dingen das Finale, sind fast durch nichts an Peinlichkeit zu übertreffen. Mein Gesichtsausdruck beim Kampf mit den Objekten sicherlich auch nicht.

Ich brauchte 8 Eier, um die geforderten 4 herzustellen. Geht doch.

In diesem Sinne: immer schön dolle pusten.

Eure Anna

Über Anna Miller

Mein Name ist Anna Miller, ich bin Baujahr 1974. Meine Kindheit und Jugend verbrachte ich wohlbehütet unter der Fahne des Arbeiter- und Bauernstaates. Ich war Mitglied bei den Jung- und Thälmannpionieren, um dann nahtlos in die FDJ zu wechseln. Dort schaffte ich es bis in die GOL und kümmerte mich um die Feriengestaltung unserer Hortkinder und die Organisation diverser Kinder- und Jugendfeste. Um gleich etwaige Vorurteile aus dem Weg zu räumen: Dies hatte nichts mit Parteiarbeit oder ähnlichem zu tun. Damals war es noch üblich, dass auch in den Ferien die Kinder der unteren Klassenstufen in der Schule betreut werden. Zu meinen Aufgaben zählte zum Beispiel die Organisation von Schwimmbad- und Kinobesuchen, Bastelnachmittagen und ähnlichen Aktionen. Da mit dem Ende meiner Schulzeit auch Schluss mit dem Arbeiter- und Bauernstaat war, musste ich mich mit der harten Realität des Kapitalismus auseinander setzen und mir eine Lehrstelle suchen. Die Zeiten, in denen davon genug zur Verfügung standen, fein säuberlich aufgelistet in einer Broschüre die sich „Lehrstellenverzeichnis“ nannte, gehörten nämlich ebenfalls der Vergangenheit an. Aber ich hatte Glück. Durch alte „Beziehungen“, konnte ich eine Lehre zum Augenoptiker ergattern und absolvieren. Nicht mein Traumberuf, aber es war ein Beruf und ein Start in das vor mir liegende Leben. Nach Beendigung meiner Lehre war ich 10 Jahre in diesem Beruf tätig. Da Arbeiten aber nicht alles ist, was ein Leben so ausmacht, beschloss ich, mich nebenbei der Familienplanung zu widmen. Und wie es so ist mit dem planen – nicht alles klappt auf Anhieb. Geklappt hatte es erst, nachdem sich der potenzielle Vater meines nun inzwischen schulpflichtigen Sohnes entschloss, seine Familienplanung noch etwas auf Eis zu legen. Das Ende vom Lied: Ich bin eine alleinerziehende Mutti, die sich um ein kleines Sorgenkind kümmern muss. Der liebe Gott hat es mit meinem Sohn leider nicht ganz so gut gemeint und ihm einige Krankheiten mit auf den Weg gegeben. Unter anderem eine Entwicklungsstörung, die nach viel Förderung in verschiedenen Bereichen verlangt. Der Vater meines Sohnes beteiligt sich am Leben seines Kindes fast ausschließlich in Form der ihm gesetzlich vorgeschriebenen finanziellen Unterstützung. Durch die fast täglichen Termine mit meinem Sohn bei diversen Therapeuten und Frühförderstellen war es mir nach der Elternzeit nicht mehr möglich, in meinen alten Beruf zurück zu kehren. Ein kleines - noch dazu krankes - Kind und die Arbeitszeiten im Handel lassen sich einfach nicht miteinander vereinbaren. Und somit entschied ich mich, in die Selbständigkeit zu wechseln. Für mich damals die einzige Möglichkeit, nicht von Hartz IV leben zu müssen. Ich träumte von Heimarbeit, die ich notfalls auch dann machen konnte, wenn Sohnemann krank ist oder schläft. Büroorganisation und Telefonservice war das, was mir vorschwebte. Was mir angeboten wurde, war ein bunter Strauß voll Betrügereien und Abzockereien. Ich hatte nun inzwischen schon einiges in meinem Leben mitgemacht und erlebt, aber was ich während dieser Zeit an Niederträchtigkeit und Skrupellosigkeit erleben musste, sprengt glaube ich jede Vorstellungskraft. Weil die Zahlungsmoral meiner Kunden teilweise genau so schlecht war wie ihre Absichten und durch zusätzliche private Schicksalsschläge, musste ich mein Leben neu überdenken und ordnen. Da ich schon immer sehr gerne geschrieben und gelesen habe, war für mich der Zeitpunkt gekommen, mein Hobby zum Beruf zu machen. Wobei der Begriff „Beruf“ das falsche Wort ist. Für mich ist es viel mehr. Es ist meine Berufung. Schreiben ist genau das, was mir Spaß macht, wo ich mit Freude dabei sein kann und was mich und mein Leben am ehesten widerspiegelt. Eine Ausbildung in dieser Richtung habe ich nicht. Ich bin der Meinung, dass man Kreativität und/oder Talent nicht antrainiert bekommen kann. Entweder man hat es, oder eben nicht. So etwas muss von Herzen kommen, man muss eine Verbindung eingehen können. Man muss es leben und fühlen. Und ich glaube, dass ich dies recht intensiv mache. Und somit schreibe ich Artikel in unterschiedlichsten Längen für Zeitungen und Zeitschriften, übernehme Auftragsarbeiten und stehe auch als Texter und Skriptschreiber zur freien Verfügung. Wer in dieser Richtung Aufträge zu vergeben hat, darf sich gerne an mich wenden. Eine Kontaktaufnahme ist über anna-miller(at)o2online.de möglich.

Veröffentlicht am 23. März 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 6 Kommentare.

  1. ach ja, ist bei mir schon länger her aber ich erinnere mich GUT daran. puuuuuuust! abgesehen davon bin ich ein bastel-desaster. mein sohn konnte es IMMER besser 😆
    wenn ich da so an meine weihnachtssterne denke, kicher…

    liebe grüße, katerwolf

  2. das basteln geht auch größten teils an mir vorbei. mein sohn ist aber auch nicht so drauf erpicht. lieder draußen toben und mit lego und playmobil spielen. das kommt mir sehr entgegen. grins.

    liebe grüße
    anna

  3. Oh ja, ich erinner mich auch noch gut dran, wie sich meine Mutter damals abmühte… Mit 2 Eierkartons (in weiser Voraussicht) hat sie Stunden in der Küche zugebracht. Ich hatte immer viel Spaß beim zuschauen 🙂 und zudem hab ich an diesem Abend meine ersten Schimpfwörter gelernt 😉

  4. Liebe Corinna,

    vielen Dank für deinen netten Eintrag. Im Bereich Schimpfwörter kann mein Sohn inzwischen auch schon gut mithalten. Grins.

    Liebe Grüße
    Anna

  5. Mein Kleiner ist heute die ersten Meter gelaufen. Solche Momente sind echt unvergesslich! Leider wird Roland viel zu rasch groß.

  6. Liebe Sandra,

    ja ja, die Kleinen. Sie werden wirklich viel zu schnell groß. Man kann förmlich zuschauen. Ich wünsche dir ganz viel Spaß mit deinem Sohnemann und genies bitte jeden Schritt von ihm. Das kommt nämlich nie wieder.

    Liebe Grüße und ein schönes Osterfest
    Anna

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