Der Frühling schlägt zu

Oder aus. Kommt drauf an, von welcher Seite man es betrachten will. Mir schlug er kräftig ins Auge. Und zwar von der ganz hässlichen Seite. Eigentlich ist es jedes Jahr das Gleiche. Kaum steigen die Temperaturen über den Gefrierpunkt, zeigt sich nicht nur die Sonne in ihrer ganzen Pracht und verwöhnt uns, sondern wir müssen uns auch wieder mit anderen skurrilen Irrtümern von Mutter Natur herumschlagen. Gerade eben ist mir wieder solch ein Irrtum über den Weg gelaufen. Um die 40 Jahre alt, weiblich – und – angezogen wie eine 16-jährige. Wenn das nicht schon schlimm genug wäre, war sie zu meinem Leidwesen auch nicht gerade den Temperaturen entsprechend gekleidet. Das Thermometer zeigt schattige 18 Grad an und besagte Dame trägt nur ein Trägertop. Und wie das so mit Tops ist, es ist recht kurz und eng. Was bei einer Kleidergröße 42 (zu ihren Gunsten geschätzt) nicht wirklich vorteilhaft wirkt. Der blasse und leicht wabbelige Bauch schaut genau so raus wie das inzwischen in die Jahre gekommene Tatoo auf der Schulter, an denen sich nahtlos die Bad Wings anschließen. Durch die zu enge und auch zu dünne Hose kann man problemlos die Cellulitis erahnen und die Schuhe wirken auch nicht so, als ob sie besonders bequem wären und lange Fußmärsche überstehen würden. Das ganze Ensemble wurde mit einer pinkfarbenen Tasche gekonnt in Szene gesetzt. Wenn der Frühling solche Blüten zum Vorschein bringt, dann wünsche ich mir ganz schnell den Frühling zurück.

Was bitte schön ist denn da schief gelaufen? Hat sie beim Frühjahrsputz ihren Spiegel mit entsorgt, oder liegt es gar daran, dass die Pupille inzwischen ein wenig trüber ist und das nah sehen nicht mehr so gut klappt? Vom Alter her würde das passen. Muss man das seiner Umwelt antun? Alle lachen drüber? Die jungen Menschen, weil sie es peinlich finden, wie man sich in dem Alter noch so kleiden kann, und die älteren, weil sie sich dafür schämen. Was ist so schlimm daran, sich seinem Alter und vor allen Dingen seiner Kleidergröße entsprechend zu kleiden? Es gibt so tolle Kleidung, für jeden Geschmack und jede Altersgruppe. Warum versuchen wir, krampfhaft irgendwelchen Epochen in unserem Leben hinterher zu laufen, anstatt das Leben so zu nehmen, wie es ist? Jedes Alter hat seine schönen Seiten. Wenn man denen aber nicht die Chance gibt, sich zu entfalten, dann kann man sie auch nicht kennen und schätzen lernen.

In diesem Sinne: nehmt das Leben so wie es ist und geniest es.

Eure Anna

Über Anna Miller

Mein Name ist Anna Miller, ich bin Baujahr 1974. Meine Kindheit und Jugend verbrachte ich wohlbehütet unter der Fahne des Arbeiter- und Bauernstaates. Ich war Mitglied bei den Jung- und Thälmannpionieren, um dann nahtlos in die FDJ zu wechseln. Dort schaffte ich es bis in die GOL und kümmerte mich um die Feriengestaltung unserer Hortkinder und die Organisation diverser Kinder- und Jugendfeste. Um gleich etwaige Vorurteile aus dem Weg zu räumen: Dies hatte nichts mit Parteiarbeit oder ähnlichem zu tun. Damals war es noch üblich, dass auch in den Ferien die Kinder der unteren Klassenstufen in der Schule betreut werden. Zu meinen Aufgaben zählte zum Beispiel die Organisation von Schwimmbad- und Kinobesuchen, Bastelnachmittagen und ähnlichen Aktionen. Da mit dem Ende meiner Schulzeit auch Schluss mit dem Arbeiter- und Bauernstaat war, musste ich mich mit der harten Realität des Kapitalismus auseinander setzen und mir eine Lehrstelle suchen. Die Zeiten, in denen davon genug zur Verfügung standen, fein säuberlich aufgelistet in einer Broschüre die sich „Lehrstellenverzeichnis“ nannte, gehörten nämlich ebenfalls der Vergangenheit an. Aber ich hatte Glück. Durch alte „Beziehungen“, konnte ich eine Lehre zum Augenoptiker ergattern und absolvieren. Nicht mein Traumberuf, aber es war ein Beruf und ein Start in das vor mir liegende Leben. Nach Beendigung meiner Lehre war ich 10 Jahre in diesem Beruf tätig. Da Arbeiten aber nicht alles ist, was ein Leben so ausmacht, beschloss ich, mich nebenbei der Familienplanung zu widmen. Und wie es so ist mit dem planen – nicht alles klappt auf Anhieb. Geklappt hatte es erst, nachdem sich der potenzielle Vater meines nun inzwischen schulpflichtigen Sohnes entschloss, seine Familienplanung noch etwas auf Eis zu legen. Das Ende vom Lied: Ich bin eine alleinerziehende Mutti, die sich um ein kleines Sorgenkind kümmern muss. Der liebe Gott hat es mit meinem Sohn leider nicht ganz so gut gemeint und ihm einige Krankheiten mit auf den Weg gegeben. Unter anderem eine Entwicklungsstörung, die nach viel Förderung in verschiedenen Bereichen verlangt. Der Vater meines Sohnes beteiligt sich am Leben seines Kindes fast ausschließlich in Form der ihm gesetzlich vorgeschriebenen finanziellen Unterstützung. Durch die fast täglichen Termine mit meinem Sohn bei diversen Therapeuten und Frühförderstellen war es mir nach der Elternzeit nicht mehr möglich, in meinen alten Beruf zurück zu kehren. Ein kleines - noch dazu krankes - Kind und die Arbeitszeiten im Handel lassen sich einfach nicht miteinander vereinbaren. Und somit entschied ich mich, in die Selbständigkeit zu wechseln. Für mich damals die einzige Möglichkeit, nicht von Hartz IV leben zu müssen. Ich träumte von Heimarbeit, die ich notfalls auch dann machen konnte, wenn Sohnemann krank ist oder schläft. Büroorganisation und Telefonservice war das, was mir vorschwebte. Was mir angeboten wurde, war ein bunter Strauß voll Betrügereien und Abzockereien. Ich hatte nun inzwischen schon einiges in meinem Leben mitgemacht und erlebt, aber was ich während dieser Zeit an Niederträchtigkeit und Skrupellosigkeit erleben musste, sprengt glaube ich jede Vorstellungskraft. Weil die Zahlungsmoral meiner Kunden teilweise genau so schlecht war wie ihre Absichten und durch zusätzliche private Schicksalsschläge, musste ich mein Leben neu überdenken und ordnen. Da ich schon immer sehr gerne geschrieben und gelesen habe, war für mich der Zeitpunkt gekommen, mein Hobby zum Beruf zu machen. Wobei der Begriff „Beruf“ das falsche Wort ist. Für mich ist es viel mehr. Es ist meine Berufung. Schreiben ist genau das, was mir Spaß macht, wo ich mit Freude dabei sein kann und was mich und mein Leben am ehesten widerspiegelt. Eine Ausbildung in dieser Richtung habe ich nicht. Ich bin der Meinung, dass man Kreativität und/oder Talent nicht antrainiert bekommen kann. Entweder man hat es, oder eben nicht. So etwas muss von Herzen kommen, man muss eine Verbindung eingehen können. Man muss es leben und fühlen. Und ich glaube, dass ich dies recht intensiv mache. Und somit schreibe ich Artikel in unterschiedlichsten Längen für Zeitungen und Zeitschriften, übernehme Auftragsarbeiten und stehe auch als Texter und Skriptschreiber zur freien Verfügung. Wer in dieser Richtung Aufträge zu vergeben hat, darf sich gerne an mich wenden. Eine Kontaktaufnahme ist über anna-miller(at)o2online.de möglich.

Veröffentlicht am 26. März 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 9 Kommentare.

  1. Liebe Anna,
    ich nehme meine wachsenden Speckröllchen so, wie sie sind. Und wenn ich mir mal neue Klamotten kaufen, was leider wegen finanzieller Probleme sehr selten ist, dann frage ich meine Kids, ob ich so rumlaufen kann. Ich finde es auch ätzend, wenn ältere Menschen rumlaufen wie Jugendliche. Und ganz schlimm finde ich, wenn sie so superdünn sein müssen, jugendlich gekleidet und man denkt – von hinten gesehen – wow, was für ne Figur – und dann sieht man das Gesicht und es wird einem schlecht. Nein danke, dann lieber bißchen mollig und normal gekleidet, als so eine Bohnenstange, auf jung getrimmt und mit einem alten Gesicht.
    LG lola

  2. Recht hast du, meine liebe Lola. Ich kann es wirklich nicht verstehen, was so toll an Pimkie und co. sein soll, das man diese Sachen bis ins „hohe“ Alter tragen muss. Es gibt keinen Grund dazu. Ich bin ja nun auch keine 20 mehr und ich kann getrost behaupten, das ich genug tolle Kleidung finde. Ohne meine kleinen Alterserscheinungen betonen zu müssen.

    Liebe Grüße
    Anna

  3. „In diesem Sinne: nehmt das Leben so wie es ist und geniest es.“

    Und wenn die betreffende Dame genau das tat? Kann es sein, dass sie sich – aus welchem Grund auch immer – gerade an diesem Tag jung und schön fand und sich kurze Zeit daran freute? Es gibt doch kein Richtig oder Falsch, wenn es darum geht, sich auf jung zu trimmen. Es gibt aber Persönlikchkeiten und Lebensgeschichten, die Verhaltensweisen auslösen. Sich unvorteilhaft zu kleiden, schadet jedenfalls keinem anderen, und wem der Anblick nicht gefällt, der mag wegschauen. Eine Gesellschaft, die in altersgerechter Einheitstracht daherkommt, finde ich bedenklicher als eine, in der auch bunte Vögel Platz haben. Findert ihr nicht?

    Anhora, 51 Jahre alt, Kleidergröße 38 und niemals ihre Kids fragend, was sie anziehen darf! 😉

  4. Liebe Anhora,

    ich gehe mal von mir aus: auch ich trage eine Kleidergröße 36 (also ganz wie du – grins) und werde 36 Jahre alt. Also auch nicht mehr tau frisch. Ich habe nichts gegen freizügige Kleidung. Aber in ihrem Falle sah es einfach nicht gut aus. Und ich kann mir vorstellen, das sie sich durch die vielen Blicke auch nicht gut gefühlt hat. Man kann doch ein Shirt anziehen, das bis über den Bauch geht. Und wenn die Arme nicht mehr ganz so straff sind, dann einfach eins mit Armansatz. Da gibt es genau so flotte Modelle, die jung und hipp aussehen. Aber das war einfach wirklich nur zum weglaufen.

    Liebe Grüße
    Anna

  5. Liebe Anna,

    ich weiß schon was du meinst, diese bedauernswerten Geschöpfe, die es einfach nicht merken wie sie tatsächlich aussehen, sieht man immer wieder mal. Auch in männlichen Ausführungen mit Goldgeklunker überm Kugelbauch und langem Nackenhaar oder was immer.

    Ich kenne niemanden persönlich, weiß also nicht, was da im Oberstübchen vorgeht. Etwas Gutes kann es nicht sein, vielleicht ist die Selbstwahrnehmung gestört oder sie leben in dem Wahn, dass sie nur als junger und schöner Mensch geliebt werden. Wer weiß, was diese Frauen geprägt hat, mir tun sie ein bisschen Leid.

    Allerdings kenne ich auch eine Zwischenversion. Frau, Anfang 60, Gr. 36/38, kommt in hautengen Röhrenjeans daher , die sie absolut tragen kann, mit schwarzem Top und Leopardenjäckchen. Dazu meterhohe Pumps. Auch sie hat schlaffe Oberarme und das Dekollete lockt keinen Mann hinterm Ofen vor. Na und? Sie gefällt sich, und diese Klamotten bilden ihre sprühende Persönlichkeit ab, auch wenn sie einer 20jährigen tausendmal besser stehn. Auch nach ihr drehen sich die Leute manchmal um. Egal. Je älter man wird, desto weniger hat das zu kümmern. Schon in dem Alter in solchen Schuhen so elegant daherzukommen – Respekt! Ich habe längst die Schreie meiner Füße erhört und trage Bequemes…

    Grüßle
    Anhora

  6. Ja, ich sehe wir verstehen uns. Grins. Um zu deinem letzten Absatz eine Kurzfassung abzugeben: bei uns rennt solch eine Dame bei H&M rum. Immer total gestylt und rausgeputzt, das selbst so manche 20-jährige neidisch werden würde. Leider auch vom Solarium so kaputt, das sie wahrscheinlich ohne Kleidung noch 20 Jahre älter aussehen würde, als es in ihrem Ausweis steht. Ich weiß es nicht, was diese Leute selbst daran so toll finden. Aber du hast recht, irgend etwas muss es sein. Vielleicht komme ich irgendwann auch noch hinter das Geheimnis. Solange bleibe ich bei meinen Turnschuhen, der guten alten Jeans und den (engen T-Shirts). Damit bin ich modisch auch immer ganz vorne dabei. Lach.

    Liebe Grüße
    Anna

  7. Genau! Und ich bleib bei meinen flachen Treterchen und wünsch mir manchmal, ich hätte mehr Mut das zu tragen, was mir gefällt. Was nicht unbedingt das ist, was mir steht oder was in ein Büro passt! 😉

  8. Mit den flachen lebst du auch viel gesünder. 🙂

    Liebe Grüße
    Anna

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