Das große Schaulaufen

Auf dem Spielplatz gab es heute wieder richtig was zu sehen. Einen legendären Auftritt. So voller Klischees behaftet, dass es mir eine Meldung wert ist.

Die Sonne scheint – und das nun schon seit Tagen. Was wiederum bedeutet, dass der Sand im entsprechenden Kasten sehr trocken und somit staubig ist. Im direkten Anflug auf den Spielplatz befinden sich Kevin, Chantalle und ihre Mutter. Klischee Nummer eins, ich weiß. Die hießen wirklich so. Aber wartet ab, es geht noch weiter. Mutti war mit einer etwas kräftigeren Stimme, dafür aber einem recht einfachen Wortschatz ausgestattet. Kevin und Chantalle waren augenscheinlich von Kopf bis Fuß in neue Kleidung gehüllt. Was ja recht löblich ist, wenn man den Kindern auch mal was gönnt – andererseits sich etwas schwierig auf einem Spielplatz gestaltet. Neue Kleidung und unbeschwert spielen passt halt irgendwie nicht zusammen. Wie nicht anders zu erwarten, wurden Kevin und Chantalle dann auch in stadiontauglicher Lautstärke und im drei Minuten Takt darauf hingewiesen, doch ein wenig „vorsichtiger“ zu sein. Damit sie sich nicht so einschmutzen. Nach der dritten Ermahnung ging mir die Dame bereits so auf den Senkel, dass ich kurz davor stand, ihr ordentlich meine Meinung zu sagen. Ich bin eigentlich ein sehr friedlicher Mensch und äußerst selten auf Krawall gebürstet. Aber die nervte einfach. Der Spielplatz war voll, alle Kinder wollten spielen und Spaß haben, die Eltern ein wenig relaxen und das tolle Wetter genießen. Und die brüllt ständig über den Platz. Ja, denn selbstverständlich hat sie ihr edles Gestell bei ihren erzieherischen Maßnahmen nicht einen Millimeter von der Bank erhoben und in Richtung ihrer Kinder bewegt. Immer alles nur per Fernsteuerung.

Nun frage ich mich bei dieser Szene ernsthaft, was da wohl schiefgelaufen ist. Wollte sie zeigen, dass es ihre Kinder auch in hübsch gibt und nicht nur im Schlabberlook? Dieser aber wiederum deutlich besser für den Spielplatz geeignet wäre? Oder wollte sie gar selbst mit Vorurteilen aufräumen, das eine (um es freundlich auszudrücken) Basisbildung nicht gleichzeitig bedeutet, dass man sozial auf einer eher unteren Etage zu finden ist?

Es ist sehr schade, dass sie sich durch ihr Verhalten den Auftritt selbst vermasselt hat. Denn ihre Kinder waren sehr reizend und machten nicht den Eindruck, dass sie mit ihrem Leben nicht zufrieden wären oder sich gar schämten. Ganz im Gegenteil. Die hätten sicherlich lieber in der ollen Jogginghose den Platz unsicher gemacht, als ständig Anweisungen in Empfang zu nehmen.

Aber was soll´s, da steckt man nicht drin.

In diesem Sinne: enjoy the silence

Eure Anna

Über Anna Miller

Mein Name ist Anna Miller, ich bin Baujahr 1974. Meine Kindheit und Jugend verbrachte ich wohlbehütet unter der Fahne des Arbeiter- und Bauernstaates. Ich war Mitglied bei den Jung- und Thälmannpionieren, um dann nahtlos in die FDJ zu wechseln. Dort schaffte ich es bis in die GOL und kümmerte mich um die Feriengestaltung unserer Hortkinder und die Organisation diverser Kinder- und Jugendfeste. Um gleich etwaige Vorurteile aus dem Weg zu räumen: Dies hatte nichts mit Parteiarbeit oder ähnlichem zu tun. Damals war es noch üblich, dass auch in den Ferien die Kinder der unteren Klassenstufen in der Schule betreut werden. Zu meinen Aufgaben zählte zum Beispiel die Organisation von Schwimmbad- und Kinobesuchen, Bastelnachmittagen und ähnlichen Aktionen. Da mit dem Ende meiner Schulzeit auch Schluss mit dem Arbeiter- und Bauernstaat war, musste ich mich mit der harten Realität des Kapitalismus auseinander setzen und mir eine Lehrstelle suchen. Die Zeiten, in denen davon genug zur Verfügung standen, fein säuberlich aufgelistet in einer Broschüre die sich „Lehrstellenverzeichnis“ nannte, gehörten nämlich ebenfalls der Vergangenheit an. Aber ich hatte Glück. Durch alte „Beziehungen“, konnte ich eine Lehre zum Augenoptiker ergattern und absolvieren. Nicht mein Traumberuf, aber es war ein Beruf und ein Start in das vor mir liegende Leben. Nach Beendigung meiner Lehre war ich 10 Jahre in diesem Beruf tätig. Da Arbeiten aber nicht alles ist, was ein Leben so ausmacht, beschloss ich, mich nebenbei der Familienplanung zu widmen. Und wie es so ist mit dem planen – nicht alles klappt auf Anhieb. Geklappt hatte es erst, nachdem sich der potenzielle Vater meines nun inzwischen schulpflichtigen Sohnes entschloss, seine Familienplanung noch etwas auf Eis zu legen. Das Ende vom Lied: Ich bin eine alleinerziehende Mutti, die sich um ein kleines Sorgenkind kümmern muss. Der liebe Gott hat es mit meinem Sohn leider nicht ganz so gut gemeint und ihm einige Krankheiten mit auf den Weg gegeben. Unter anderem eine Entwicklungsstörung, die nach viel Förderung in verschiedenen Bereichen verlangt. Der Vater meines Sohnes beteiligt sich am Leben seines Kindes fast ausschließlich in Form der ihm gesetzlich vorgeschriebenen finanziellen Unterstützung. Durch die fast täglichen Termine mit meinem Sohn bei diversen Therapeuten und Frühförderstellen war es mir nach der Elternzeit nicht mehr möglich, in meinen alten Beruf zurück zu kehren. Ein kleines - noch dazu krankes - Kind und die Arbeitszeiten im Handel lassen sich einfach nicht miteinander vereinbaren. Und somit entschied ich mich, in die Selbständigkeit zu wechseln. Für mich damals die einzige Möglichkeit, nicht von Hartz IV leben zu müssen. Ich träumte von Heimarbeit, die ich notfalls auch dann machen konnte, wenn Sohnemann krank ist oder schläft. Büroorganisation und Telefonservice war das, was mir vorschwebte. Was mir angeboten wurde, war ein bunter Strauß voll Betrügereien und Abzockereien. Ich hatte nun inzwischen schon einiges in meinem Leben mitgemacht und erlebt, aber was ich während dieser Zeit an Niederträchtigkeit und Skrupellosigkeit erleben musste, sprengt glaube ich jede Vorstellungskraft. Weil die Zahlungsmoral meiner Kunden teilweise genau so schlecht war wie ihre Absichten und durch zusätzliche private Schicksalsschläge, musste ich mein Leben neu überdenken und ordnen. Da ich schon immer sehr gerne geschrieben und gelesen habe, war für mich der Zeitpunkt gekommen, mein Hobby zum Beruf zu machen. Wobei der Begriff „Beruf“ das falsche Wort ist. Für mich ist es viel mehr. Es ist meine Berufung. Schreiben ist genau das, was mir Spaß macht, wo ich mit Freude dabei sein kann und was mich und mein Leben am ehesten widerspiegelt. Eine Ausbildung in dieser Richtung habe ich nicht. Ich bin der Meinung, dass man Kreativität und/oder Talent nicht antrainiert bekommen kann. Entweder man hat es, oder eben nicht. So etwas muss von Herzen kommen, man muss eine Verbindung eingehen können. Man muss es leben und fühlen. Und ich glaube, dass ich dies recht intensiv mache. Und somit schreibe ich Artikel in unterschiedlichsten Längen für Zeitungen und Zeitschriften, übernehme Auftragsarbeiten und stehe auch als Texter und Skriptschreiber zur freien Verfügung. Wer in dieser Richtung Aufträge zu vergeben hat, darf sich gerne an mich wenden. Eine Kontaktaufnahme ist über anna-miller(at)o2online.de möglich.

Veröffentlicht am 8. April 2010, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 4 Kommentare.

  1. jaja, ich hatte neulich im zoo auch so eine familie, mit dschakkelin, kevin, connor und dschännifer, auch alle im feiertags-outfit und eltern, die in megaphon-lautstärke auf ihre sprösslinge einbrüllten. sogar die tiere waren gestresst 😉

    liebe grüße, katerwolf

  2. Jeder Spielplatz braucht einen „Feldwebel„ sonst wärs für Väter und Mütter doch Langweilig, wenn die Kids über den Platz rocken und die Welt um sich herum vergessen.
    Vielleicht sollte man auf solche Menschen zugehen und sie in die bestehende Gemeinschaft einbinden.
    liebe Grüsse und in diesem Sinne Suffer Well

  3. Ich stelle fest; ich war heute auch feldweblig unterwegs. Die Mamasitos haben voller Freude mit Sand um sich geschmissen, was ich auch zunächst nur aus der Ferne kommentiert habe. Es war so nett, träge plaudernd in der Sonne zu sitzen, dass ich mehrfach gerufen habe, anstatt mich hinzubewegen… immerhin heissen die Mamasitos nicht Chäiänn oder Mischäll 🙂

  4. na gut, wenn du deinen kindern ordentliche namen gegeben hast, sei dir verziehen. lach.

    liebe grüße
    anna

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