Dinge die die Welt nicht braucht

Dinge, die die Welt nicht braucht

Eine Bewohnerin aus meinem Haus hat mich heute um Hilfe gebeten. In ihrer Wohnung. Sie hatte sich einen neuen Fernseher liefern lassen und wollte von mir wissen, ob das Bild so richtig eingestellt ist. Ihr eigenes Alter und das Alter ihres letzten Fernsehers ließen keine objektive Meinung ihrerseits zu. Da ich generell ein sehr hilfsbereiter Mensch bin und die nette Dame auch immer sehr lieb zu meinem Sohn ist (in regelmäßigen Abständen wechseln kleine Leckereien den Besitzer), konnte ich ihr den Wunsch natürlich nicht abschlagen.

Das diese Bewohnerin einen Hang zu dekorativem Kitsch hat, ist mir schon des Öfteren aufgefallen. Immerhin hat sie in ihren Fenstern eine Auswahl an Geschmacklosigkeiten ausgestellt. Blaue Rosen, kombiniert mit anderen aufwendigen Blumenensembles aus Kunststoff. Diverse Asiashops mit genau solchen Dekohighlights findet man reichlich in unserer schönen Stadt. Und anscheinend auch genügend Abnehmer, denn sonst könnten diese Geschäfte nicht überleben. Wenn ich nur an die Weihnachtszeit denke: da blinkt es an vielen Fenstern ganz bunt. Diese komischen Leuchtsterne, die ständig die Farben wechseln …..

Und was sich von außen in Form des dekorativen Schnickschnacks auf den Fensterbänken schon andeutete, fand im inneren der Wohnung seine Vollendung. Ich habe schon viel gesehen, aber das war der Wahnsinn. Da hätte es mich doch fast wieder rückwärts aus der Wohnung gehauen, als ich dieses Sammelsurium an unnützen dingen sah.  Böse Leute würden sagen, dass man davon augenkrebs bekommt. Kitsch, wohin man schaute. Und natürlich alles schön bunt. Irgendwie scheint es das nicht in dezent zu geben. Das ging los bei weiteren Blumengestecken Marke Plastik, über die bekannte winkende Katze, bis hin zu kitschigen Wandgemälden. Alles war vertreten und mit viel Liebe ins rechte Licht gerückt. Mir fehlten die Worte. Und das soll was heißen. Ich vertrage eigentlich eine Menge. Schon weil ich durch meine Arbeit als Augenoptiker auch viel gewohnt war. Denn auch da haben die älteren Leutchen gerne mal ein paar wohlgemeinte Präsente mitgebracht. Weil man doch so nett war und die Brille so toll gemacht hat. Meist war es aber deshalb, weil man sich einfach mal Zeit genommen hat und zuhörte. Was sich damals alles angesammelt hat, das schreibe ich morgen in einem weiteren Bericht. Denn da fallen mir noch viele lustige Dinge ein.

Nun ja, ich habe dann schnell das Bild vom Fernseher begutachtet, einige Verbesserungsvorschläge gemacht und ganz brav die schicke Wohnung gelobt. Man will es sich ja nicht mit der Nachbarschaft versauen. Ich hoffe nur, dass ich nicht zu viel gelobt habe und nun auch in regelmäßigen Abständen was geschenkt bekomme. Soviel Platz in den Schränken habe ich dann auch nicht.

In diesem Sinne: Es muss nicht immer Plastik sein.

Eure Anna

Über Anna Miller

Mein Name ist Anna Miller, ich bin Baujahr 1974. Meine Kindheit und Jugend verbrachte ich wohlbehütet unter der Fahne des Arbeiter- und Bauernstaates. Ich war Mitglied bei den Jung- und Thälmannpionieren, um dann nahtlos in die FDJ zu wechseln. Dort schaffte ich es bis in die GOL und kümmerte mich um die Feriengestaltung unserer Hortkinder und die Organisation diverser Kinder- und Jugendfeste. Um gleich etwaige Vorurteile aus dem Weg zu räumen: Dies hatte nichts mit Parteiarbeit oder ähnlichem zu tun. Damals war es noch üblich, dass auch in den Ferien die Kinder der unteren Klassenstufen in der Schule betreut werden. Zu meinen Aufgaben zählte zum Beispiel die Organisation von Schwimmbad- und Kinobesuchen, Bastelnachmittagen und ähnlichen Aktionen. Da mit dem Ende meiner Schulzeit auch Schluss mit dem Arbeiter- und Bauernstaat war, musste ich mich mit der harten Realität des Kapitalismus auseinander setzen und mir eine Lehrstelle suchen. Die Zeiten, in denen davon genug zur Verfügung standen, fein säuberlich aufgelistet in einer Broschüre die sich „Lehrstellenverzeichnis“ nannte, gehörten nämlich ebenfalls der Vergangenheit an. Aber ich hatte Glück. Durch alte „Beziehungen“, konnte ich eine Lehre zum Augenoptiker ergattern und absolvieren. Nicht mein Traumberuf, aber es war ein Beruf und ein Start in das vor mir liegende Leben. Nach Beendigung meiner Lehre war ich 10 Jahre in diesem Beruf tätig. Da Arbeiten aber nicht alles ist, was ein Leben so ausmacht, beschloss ich, mich nebenbei der Familienplanung zu widmen. Und wie es so ist mit dem planen – nicht alles klappt auf Anhieb. Geklappt hatte es erst, nachdem sich der potenzielle Vater meines nun inzwischen schulpflichtigen Sohnes entschloss, seine Familienplanung noch etwas auf Eis zu legen. Das Ende vom Lied: Ich bin eine alleinerziehende Mutti, die sich um ein kleines Sorgenkind kümmern muss. Der liebe Gott hat es mit meinem Sohn leider nicht ganz so gut gemeint und ihm einige Krankheiten mit auf den Weg gegeben. Unter anderem eine Entwicklungsstörung, die nach viel Förderung in verschiedenen Bereichen verlangt. Der Vater meines Sohnes beteiligt sich am Leben seines Kindes fast ausschließlich in Form der ihm gesetzlich vorgeschriebenen finanziellen Unterstützung. Durch die fast täglichen Termine mit meinem Sohn bei diversen Therapeuten und Frühförderstellen war es mir nach der Elternzeit nicht mehr möglich, in meinen alten Beruf zurück zu kehren. Ein kleines - noch dazu krankes - Kind und die Arbeitszeiten im Handel lassen sich einfach nicht miteinander vereinbaren. Und somit entschied ich mich, in die Selbständigkeit zu wechseln. Für mich damals die einzige Möglichkeit, nicht von Hartz IV leben zu müssen. Ich träumte von Heimarbeit, die ich notfalls auch dann machen konnte, wenn Sohnemann krank ist oder schläft. Büroorganisation und Telefonservice war das, was mir vorschwebte. Was mir angeboten wurde, war ein bunter Strauß voll Betrügereien und Abzockereien. Ich hatte nun inzwischen schon einiges in meinem Leben mitgemacht und erlebt, aber was ich während dieser Zeit an Niederträchtigkeit und Skrupellosigkeit erleben musste, sprengt glaube ich jede Vorstellungskraft. Weil die Zahlungsmoral meiner Kunden teilweise genau so schlecht war wie ihre Absichten und durch zusätzliche private Schicksalsschläge, musste ich mein Leben neu überdenken und ordnen. Da ich schon immer sehr gerne geschrieben und gelesen habe, war für mich der Zeitpunkt gekommen, mein Hobby zum Beruf zu machen. Wobei der Begriff „Beruf“ das falsche Wort ist. Für mich ist es viel mehr. Es ist meine Berufung. Schreiben ist genau das, was mir Spaß macht, wo ich mit Freude dabei sein kann und was mich und mein Leben am ehesten widerspiegelt. Eine Ausbildung in dieser Richtung habe ich nicht. Ich bin der Meinung, dass man Kreativität und/oder Talent nicht antrainiert bekommen kann. Entweder man hat es, oder eben nicht. So etwas muss von Herzen kommen, man muss eine Verbindung eingehen können. Man muss es leben und fühlen. Und ich glaube, dass ich dies recht intensiv mache. Und somit schreibe ich Artikel in unterschiedlichsten Längen für Zeitungen und Zeitschriften, übernehme Auftragsarbeiten und stehe auch als Texter und Skriptschreiber zur freien Verfügung. Wer in dieser Richtung Aufträge zu vergeben hat, darf sich gerne an mich wenden. Eine Kontaktaufnahme ist über anna-miller(at)o2online.de möglich.

Veröffentlicht am 28. April 2010, in Home. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 8 Kommentare.

  1. Hihi! Wenn es die Dame glücklich macht? 😉
    Anstrengend wird es nur, wenn man solche Dinge dann geschenkt bekommt, die einem selbst überhaupt gar nicht gefallen. Seufz.

  2. Auch auf die Gefahr hin, dass das blöd klingt – aber vielleicht ist das die einzige Freude, die die Frau hat (und insofern für sie nicht unnütz?!) *duckundwegrenn*

  3. sie lebt alleine, da hast du recht. und jedem das, was ihm gefällt. meinen geschmack tirfft es nicht. auch nicht ansatzweise. grins.

    liebe grüße
    anna

  4. oh, was denkst du, wie viele dinge ich da schon habe. lach.
    liebe grüße
    anna

  5. Vielleicht gibst du ihr etwas von deinen „tollen“ Sachen 😉 Liebe Grüße, Emily

  6. ich habe angst, das die bei ihr nicht richtig zu geltung kommen würden. ihre sind einfach besser. grins.

    liebe grüße
    anna

  7. Liebe Anna,
    ich denke, daß es okay ist, wenn man solche Geschenke nach einer angemessenen Zeit des Aufbewahrens auch mal entsorgt. Oder? 😉

  8. ja, das mache ich auch. ich bin sowieso kein freund vom bunkern und altlasten vor sich her schieben.

    liebe grüße
    anna