Der Feind liest mit

Der Feind liest mit

Anders kann ich mir nicht erklären, was heute Vormittag passiert ist. Eine mir völlig fremde Person in einer abgelegenen MC Donalds Filiale (in der wir nur sehr selten einkehren)wusste, dass ich immer schwarzen Tee trinke.

Nun sitze ich hier zu Hause bei meiner inzwischen dritten Tasse Tee – ich gebe zu, ich bin süchtig nach dem Zeug – und muss euch sogleich meine Beobachtungen mitteilen.

Ich finde es ja löblich, dass sich dies inzwischen rumgesprochen hat. Noch besser fände ich es aber, wenn das in unserer Stammfiliale auch so wäre. Eine Kleinigkeit. Mir würde auch schon reichen, wenn die Tresenkraft sich dort endlich merken würde, dass Tee überhaupt im Sortiment ist und wo er sich befindet. Beim Rest bin ich gerne behilflich.

Aber auch sonst war heute irgendwie alles anders. Alle super nett. Das Spielzimmer durfte genutzt werden, obwohl ein „Geschlossen“ Schild das Gegenteil behauptete. Und mein Ei, das frisch zubereitet wurde, kam auch recht zügig. Was für ein ungewohnter Service. Und weil ich denke, dass MC vielleicht mitliest, hier mal ein dickes Lob an die nette Filiale an der Autobahnauffahrt. Wir kommen jetzt öfter. Das lohnt sich.

In diesem Sinne: Es geschehen doch noch Wunder.

Eure Anna

Über Anna Miller

Mein Name ist Anna Miller, ich bin Baujahr 1974. Meine Kindheit und Jugend verbrachte ich wohlbehütet unter der Fahne des Arbeiter- und Bauernstaates. Ich war Mitglied bei den Jung- und Thälmannpionieren, um dann nahtlos in die FDJ zu wechseln. Dort schaffte ich es bis in die GOL und kümmerte mich um die Feriengestaltung unserer Hortkinder und die Organisation diverser Kinder- und Jugendfeste. Um gleich etwaige Vorurteile aus dem Weg zu räumen: Dies hatte nichts mit Parteiarbeit oder ähnlichem zu tun. Damals war es noch üblich, dass auch in den Ferien die Kinder der unteren Klassenstufen in der Schule betreut werden. Zu meinen Aufgaben zählte zum Beispiel die Organisation von Schwimmbad- und Kinobesuchen, Bastelnachmittagen und ähnlichen Aktionen. Da mit dem Ende meiner Schulzeit auch Schluss mit dem Arbeiter- und Bauernstaat war, musste ich mich mit der harten Realität des Kapitalismus auseinander setzen und mir eine Lehrstelle suchen. Die Zeiten, in denen davon genug zur Verfügung standen, fein säuberlich aufgelistet in einer Broschüre die sich „Lehrstellenverzeichnis“ nannte, gehörten nämlich ebenfalls der Vergangenheit an. Aber ich hatte Glück. Durch alte „Beziehungen“, konnte ich eine Lehre zum Augenoptiker ergattern und absolvieren. Nicht mein Traumberuf, aber es war ein Beruf und ein Start in das vor mir liegende Leben. Nach Beendigung meiner Lehre war ich 10 Jahre in diesem Beruf tätig. Da Arbeiten aber nicht alles ist, was ein Leben so ausmacht, beschloss ich, mich nebenbei der Familienplanung zu widmen. Und wie es so ist mit dem planen – nicht alles klappt auf Anhieb. Geklappt hatte es erst, nachdem sich der potenzielle Vater meines nun inzwischen schulpflichtigen Sohnes entschloss, seine Familienplanung noch etwas auf Eis zu legen. Das Ende vom Lied: Ich bin eine alleinerziehende Mutti, die sich um ein kleines Sorgenkind kümmern muss. Der liebe Gott hat es mit meinem Sohn leider nicht ganz so gut gemeint und ihm einige Krankheiten mit auf den Weg gegeben. Unter anderem eine Entwicklungsstörung, die nach viel Förderung in verschiedenen Bereichen verlangt. Der Vater meines Sohnes beteiligt sich am Leben seines Kindes fast ausschließlich in Form der ihm gesetzlich vorgeschriebenen finanziellen Unterstützung. Durch die fast täglichen Termine mit meinem Sohn bei diversen Therapeuten und Frühförderstellen war es mir nach der Elternzeit nicht mehr möglich, in meinen alten Beruf zurück zu kehren. Ein kleines - noch dazu krankes - Kind und die Arbeitszeiten im Handel lassen sich einfach nicht miteinander vereinbaren. Und somit entschied ich mich, in die Selbständigkeit zu wechseln. Für mich damals die einzige Möglichkeit, nicht von Hartz IV leben zu müssen. Ich träumte von Heimarbeit, die ich notfalls auch dann machen konnte, wenn Sohnemann krank ist oder schläft. Büroorganisation und Telefonservice war das, was mir vorschwebte. Was mir angeboten wurde, war ein bunter Strauß voll Betrügereien und Abzockereien. Ich hatte nun inzwischen schon einiges in meinem Leben mitgemacht und erlebt, aber was ich während dieser Zeit an Niederträchtigkeit und Skrupellosigkeit erleben musste, sprengt glaube ich jede Vorstellungskraft. Weil die Zahlungsmoral meiner Kunden teilweise genau so schlecht war wie ihre Absichten und durch zusätzliche private Schicksalsschläge, musste ich mein Leben neu überdenken und ordnen. Da ich schon immer sehr gerne geschrieben und gelesen habe, war für mich der Zeitpunkt gekommen, mein Hobby zum Beruf zu machen. Wobei der Begriff „Beruf“ das falsche Wort ist. Für mich ist es viel mehr. Es ist meine Berufung. Schreiben ist genau das, was mir Spaß macht, wo ich mit Freude dabei sein kann und was mich und mein Leben am ehesten widerspiegelt. Eine Ausbildung in dieser Richtung habe ich nicht. Ich bin der Meinung, dass man Kreativität und/oder Talent nicht antrainiert bekommen kann. Entweder man hat es, oder eben nicht. So etwas muss von Herzen kommen, man muss eine Verbindung eingehen können. Man muss es leben und fühlen. Und ich glaube, dass ich dies recht intensiv mache. Und somit schreibe ich Artikel in unterschiedlichsten Längen für Zeitungen und Zeitschriften, übernehme Auftragsarbeiten und stehe auch als Texter und Skriptschreiber zur freien Verfügung. Wer in dieser Richtung Aufträge zu vergeben hat, darf sich gerne an mich wenden. Eine Kontaktaufnahme ist über anna-miller(at)o2online.de möglich.

Veröffentlicht am 8. Mai 2010, in Home. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 7 Kommentare.

  1. Es bleibt in der Tat ein Rätsel, wer auf (unseren) Blogs alles liest … Wenn man mal die Besucherzahl anschaut und dann weiß, wie wenig Leser davon kommentieren … geheimnisvoll. Oder manchmal unheimlich? Nun, jedenfalls wünsche ich Dir weiterhin fröhliches Teetrinken! 🙂

  2. Genieße es 😉

  3. oh ja, das werde ich. grins. wer weiß, wie lange der zustand anhält.

    liebe grüße
    anna

  4. ja, ich frage mich auch jeden tag, warum immer alle so „zurückhaltend“ sind. ich beiße doch nicht.

    wünsche dir ein schönes wochenende.

    liebe grüße
    anna

  5. Na, dann will ich mal nicht so zurückhaltend sein. 😀 Aber mal ernsthaft – also so ein Erlebnis wäre mir auch unheimlich vorgekommen. Vielleicht hat ja die nette Dame irgendwann mal in Deiner Stammfiliale gearbeitet und Dich wiedererkannt?
    Von Teetrinkerin zu Teetrinkerin und von Mutter zu Mutter – wünsche Dir einen schönen Sonntag! Herzlichst – Grethe

  6. meine liebe grethe,

    den schönen sonntag wünsche ich dir auch. lass dich mal richtig verwöhnen. du hast es dir sicherlich verdient.

    liebe grüße
    anna

  7. Netter Artikel, ich werde jetzt auch gleich wieder weiter blättern hier. Bis später.