Das regt mich auf…

Das regt mich auf

Gerade komme ich mit meinem Sohn vom Eis essen zurück. Und schon muss ich meine Gedanken niederschreiben, denn sie liegen mir schwer im Magen. Wir saßen in unserer Lieblingseisbar, am Nachbartisch vier Schulkinder. Vom Alter her vielleicht 15 Jahre. Sie unterhielten sich über einen Aufsatz, den sie nach den Pfingstferien abgeben müssen. Die Gliederung des deutschen Staates (oder so ähnlich). Der Nachbartisch fand dieses Thema nicht wirklich stimmungshebend. Wen interessiert denn schon, wie unser Staat gegliedert ist und wie er funktioniert. Die vier auf jeden Fall nicht.

Viele Umfragen zeigen, dass gerade die Politikverdrossenheit und das Desinteresse am Weltgeschehen unter Jugendlichen sehr stark ausgeprägt ist. Aber warum? Interessiert es denn wirklich niemanden mehr, was auf der Welt passiert? Sind Nachrichten nur noch interessant, wenn darin die neueste Schießerei zwischen zwei Rap Größen oder die krummen Zehen von Victoria Beckham thematisiert werden? Ist das wirklich alles, was unsere Zukunft  – die Menschen, die einmal unsere Rente verdienen sollen – interessiert? Warum besteht kein Interesse an dem Staat, in dem sie aufgewachsen sind? Der sie zu einem gewissen Teil auch finanziert? Und damit meine ich nicht nur Hartz IV. Auch Kindergeld, kostenlose Schulbildung und viele andere Dinge sind staatliche Zuwendungen. Das wird nur sehr gerne vergessen. Das kann doch nicht wahr sein.

Für mich ist früh Morgens meine dritte Amtshandlung (die erste ist, meinen Sohn zu versorgen und in Obhut des Kindergartens zu geben, die zweite einen Tee zu kochen) den Computer anzuschalten und mich auf den neuesten Stand zu bringen, was das Weltgeschehen betrifft. Und das mache ich nicht, weil ich dies vielleicht für meinen Job bräuchte – nein – das mache ich, weil es mich schlichtweg interessiert. Ich will wissen, was um mich herum passiert. Was der Ölteppich im Golf von Mexiko macht, wie die Koalitionsverhandlungen in NRW vorankommen und ob der Euro stabilisiert werden konnte. Wichtig für mich, um auch mitreden zu können. Um in der Lage zu sein, bei Gesprächen nicht nur das Wetter zu thematisieren, sondern durchaus mal was Geistreiches in den Raum stellen zu können. Für mich gehören diese Dinge zur Allgemeinbildung und bereichern mein Leben.

Ich möchte keine Politik machen, gehöre keiner Partei an und möchte auch keiner Partei angehören. Nein, mir geht es schlichtweg um die Ignoranz vieler junger Menschen an unserem Staat, am Weltgeschehen und somit auch an ihrem eigenen Leben. Denn genau diese Dinge beeinflussen ihr Leben. Ob sie das wollen oder nicht. Und dies wollte ich nur einmal zum Ausdruck bringen.

So, jetzt geht es mir auch wieder besser.

In diesem Sinne: Es gibt mehr im Leben als Klatsch und Tratsch über Promis und solche die es werden wollen.

Eure Anna

Über Anna Miller

Mein Name ist Anna Miller, ich bin Baujahr 1974. Meine Kindheit und Jugend verbrachte ich wohlbehütet unter der Fahne des Arbeiter- und Bauernstaates. Ich war Mitglied bei den Jung- und Thälmannpionieren, um dann nahtlos in die FDJ zu wechseln. Dort schaffte ich es bis in die GOL und kümmerte mich um die Feriengestaltung unserer Hortkinder und die Organisation diverser Kinder- und Jugendfeste. Um gleich etwaige Vorurteile aus dem Weg zu räumen: Dies hatte nichts mit Parteiarbeit oder ähnlichem zu tun. Damals war es noch üblich, dass auch in den Ferien die Kinder der unteren Klassenstufen in der Schule betreut werden. Zu meinen Aufgaben zählte zum Beispiel die Organisation von Schwimmbad- und Kinobesuchen, Bastelnachmittagen und ähnlichen Aktionen. Da mit dem Ende meiner Schulzeit auch Schluss mit dem Arbeiter- und Bauernstaat war, musste ich mich mit der harten Realität des Kapitalismus auseinander setzen und mir eine Lehrstelle suchen. Die Zeiten, in denen davon genug zur Verfügung standen, fein säuberlich aufgelistet in einer Broschüre die sich „Lehrstellenverzeichnis“ nannte, gehörten nämlich ebenfalls der Vergangenheit an. Aber ich hatte Glück. Durch alte „Beziehungen“, konnte ich eine Lehre zum Augenoptiker ergattern und absolvieren. Nicht mein Traumberuf, aber es war ein Beruf und ein Start in das vor mir liegende Leben. Nach Beendigung meiner Lehre war ich 10 Jahre in diesem Beruf tätig. Da Arbeiten aber nicht alles ist, was ein Leben so ausmacht, beschloss ich, mich nebenbei der Familienplanung zu widmen. Und wie es so ist mit dem planen – nicht alles klappt auf Anhieb. Geklappt hatte es erst, nachdem sich der potenzielle Vater meines nun inzwischen schulpflichtigen Sohnes entschloss, seine Familienplanung noch etwas auf Eis zu legen. Das Ende vom Lied: Ich bin eine alleinerziehende Mutti, die sich um ein kleines Sorgenkind kümmern muss. Der liebe Gott hat es mit meinem Sohn leider nicht ganz so gut gemeint und ihm einige Krankheiten mit auf den Weg gegeben. Unter anderem eine Entwicklungsstörung, die nach viel Förderung in verschiedenen Bereichen verlangt. Der Vater meines Sohnes beteiligt sich am Leben seines Kindes fast ausschließlich in Form der ihm gesetzlich vorgeschriebenen finanziellen Unterstützung. Durch die fast täglichen Termine mit meinem Sohn bei diversen Therapeuten und Frühförderstellen war es mir nach der Elternzeit nicht mehr möglich, in meinen alten Beruf zurück zu kehren. Ein kleines - noch dazu krankes - Kind und die Arbeitszeiten im Handel lassen sich einfach nicht miteinander vereinbaren. Und somit entschied ich mich, in die Selbständigkeit zu wechseln. Für mich damals die einzige Möglichkeit, nicht von Hartz IV leben zu müssen. Ich träumte von Heimarbeit, die ich notfalls auch dann machen konnte, wenn Sohnemann krank ist oder schläft. Büroorganisation und Telefonservice war das, was mir vorschwebte. Was mir angeboten wurde, war ein bunter Strauß voll Betrügereien und Abzockereien. Ich hatte nun inzwischen schon einiges in meinem Leben mitgemacht und erlebt, aber was ich während dieser Zeit an Niederträchtigkeit und Skrupellosigkeit erleben musste, sprengt glaube ich jede Vorstellungskraft. Weil die Zahlungsmoral meiner Kunden teilweise genau so schlecht war wie ihre Absichten und durch zusätzliche private Schicksalsschläge, musste ich mein Leben neu überdenken und ordnen. Da ich schon immer sehr gerne geschrieben und gelesen habe, war für mich der Zeitpunkt gekommen, mein Hobby zum Beruf zu machen. Wobei der Begriff „Beruf“ das falsche Wort ist. Für mich ist es viel mehr. Es ist meine Berufung. Schreiben ist genau das, was mir Spaß macht, wo ich mit Freude dabei sein kann und was mich und mein Leben am ehesten widerspiegelt. Eine Ausbildung in dieser Richtung habe ich nicht. Ich bin der Meinung, dass man Kreativität und/oder Talent nicht antrainiert bekommen kann. Entweder man hat es, oder eben nicht. So etwas muss von Herzen kommen, man muss eine Verbindung eingehen können. Man muss es leben und fühlen. Und ich glaube, dass ich dies recht intensiv mache. Und somit schreibe ich Artikel in unterschiedlichsten Längen für Zeitungen und Zeitschriften, übernehme Auftragsarbeiten und stehe auch als Texter und Skriptschreiber zur freien Verfügung. Wer in dieser Richtung Aufträge zu vergeben hat, darf sich gerne an mich wenden. Eine Kontaktaufnahme ist über anna-miller(at)o2online.de möglich.

Veröffentlicht am 21. Mai 2010, in Home. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 4 Kommentare.

  1. Liebe Anna,

    Deine Irritation verstehe ich sehr gut. Ich denke auch, dass ein Großteil der heutigen Zustände in den Reihen der uns Vertretenden aka Politiker überhaupt erst zustande kommen konnten, weil eben die Bevölkerung viel zu lange still gehalten hat. Dass dann nicht wenigstens eine Jugend heran wächst, die aufschreit und mit ihren Fäusten sprichwörtlich auf sämtliche Tische haut, ist beängstigend. Ohne Frage!

    Die Kehrseite ist allerdings, dass das Erschrecken umso größer wird, je genauer man hinsieht. Du weißt es, da Du Dich mit diesem Geschehen, wie Du schreibst, beschäftigst. Ich weiß es auch. Viele von mir gelesene Blogger ebenfalls. Aber offensichtlich gibt es dennoch längst nicht genügend Interessenten. Was diesen Staat ausmacht ist (nach meinem subjektiven Gefühl) immer mehr der Faktor „Klüngel“. Die Politiker sehen zu, dass sie die Sympathien von Banken und Wirtschaft erwerben und halten, damit sie selbst sicher im Sattel bleiben. Dafür ist ihnen jedes Mittel recht und kein Preis zu hoch. Warum auch; sie finanzieren es ja nicht, sondern das „schnöde Wahlvieh“. Um das Wohl des Volkes, und dafür zu sorgen ist ihre erste – im Zweifel einzige – Pflicht, geht es den meisten der sog. Volksvertreter doch offensichtlich längst nicht mehr.

    Dies überlegt stellt sich natürlich zwangsläufig die Frage, was genau den Jugendlichen vermittelt werden soll. Und ich gebe offen zu: Wenn ich nicht sowieso ein Grundinteresse an den Geschehnissen in diesem Staat und der Welt hätte, würde ich am liebsten auch längst nicht mehr hinsehen. Das ich es dennoch tue, ist vermutlich einzig meiner partiellen Sturheit zu verdanken 😉

    Ich wünsche Dir dennoch oder erst recht fantastische Pfingsttage!

    Liebe Grüße, skriptum.

  2. hallo meine liebe,

    ich sehe, du verstehst mich und meine sicht der dinge. die politik wird doch eigentlich nur noch für die wirtschaft gemacht. kein wunder, denn genau diese finanziert die politik. oder die politiker. diese können gar nicht frei von der wirtschaft denken und handeln, da sie in vielen vorständen und führungsebenen wichtiger firmen ihren platz und somit auch ihr zusätzliches einkommen haben. und wie sagt man so schön: die hand, die einen füttert, schlägt man nicht.

    liebe grüße und auch dir ein schönes pfingsfest
    anna

  3. Liebe Anna,
    das Thema beschäftigt mich schon seit langem. Ich könnte direkt bei euch beiden unterschreiben. Viele Jugendliche übernehmen die Ignoranz bereits ungefiltert von den Eltern. Wobei das keine Entschuldigung ist, denn ich kann meine Verantwortung irgendwann nicht mehr abschieben. Dieser Klüngel ist das, was mir oft Sorge bereitet. Die Werte werden nicht mehr geachtet. Es wird dem Beachtung geschenkt, der wissentlich jemanden betrügt. Das kann doch kein Vorbild sein? Ich bin sogar überzeugt davon, dass nicht die Politiker die Politik steuern, sondern die Wirtschaft. Geld regiert. Wenn ich dann noch an Höflichkeit und Respekt denke, wird mir ganz anders. Kritisches Hinterfragen wird nicht gern gesehen, deswegen macht es mir besonders viel Freude, genau das zu tun. Dann bin ich manchmal eben unbequem. Aber sich zu ducken kann für mich keine Alternative sein.

    Dennoch wünsche ich wunderschöne & sonnige Pfingsttage!

    Liebe Grüße
    Emily

  4. das hast du aber schön geschrieben. ich bin auch gerne unbequem. 🙂

    wünsche dir auch ein sonniges und wunderschönes wochenende

    liebe grüße
    anna