Ausflug ins Land der Unmöglichkeiten

Ausflug ins Land der Unmöglichkeiten

Heute kreuzte mal wieder ein MC Donalds Restaurant meinen Weg. Ich weiß, ich bin selber schuld, wenn ich da immer wieder hingehe. Aber was soll ich machen. Erklärt mal einem fünfjährigen, dass der Maßstab an Service und Qualität in diesem Etablissement sich nicht mit euren Ansprüchen auch nur ansatzweise deckt und man genau deshalb dieses nicht mehr finanziell unterstützen möchte. Das ist schlichtweg unmöglich. Erschwerend kommt hinzu, dass Sohnemann es sehr lustig findet und es sich inzwischen zur Aufgabe gemacht hat, im Vorfeld einen Tipp abzugeben, was wohl beim nächsten Besuch alles wieder schiefgehen könnte. Und ich muss sagen, er wird immer besser mit seinen Einschätzungen. Tja, das Leben prägt halt.

Nun war es halt wieder soweit und Sohnemann und meine Wenigkeit investierten mehr oder weniger erfolgreich unser Geld in Fastfood Produkte der Firma MC Donalds. Ein Ausflug – um das schöne Wetter zu nutzen – mit anschließender kühler Erfrischung in Form eines Eises trieben uns Richtung Restaurant. Man muss schließlich die Feste feiern, wie sie fallen. Und wer weiß schon, wie lange das gute Wetter noch anhält. Denn wer behauptet, dass wir wettertechnisch die letzten Monate positiv aufgefallen sind, leidet meiner Einschätzung nach an Wahrnehmungsstörungen.

Das Eis wurde verspeist, Sohnemann nutzte ein wenig das Spielangebot und Mutti schrieb. Soweit so gut. Bis dahin. Doch dann überfiel den Kurzen ein plötzlicher Hungeranfall, der es ihm nicht möglich machte, die letzten fünf Minuten Heimweg auf sich zu nehmen, ohne Ohnmächtig vor lauter Schwäche auf der Straße zusammen zu brechen. So schlimm aber auch. Und vor allen Dingen diese Plötzlichkeit. Wahrscheinlich hat ihm die Information von seinem Spielkameraden, dass es im Happy Meal ein Auto gibt, das er noch nicht hat, in Lichtgeschwindigkeit die letzten Kraftreserven aus seinem kleinen ausgemergelten Körper gesogen.

Ich kam also nicht umhin, meine übliche Bestellung aufzugeben. Ein Happy Meal mit Nuggets, Soße, Fruchttüte, Fanta und dem Spielzeug Nummer eins, einen schwarzen Tee – und jetzt kommt die Zugabe – eine Portion Chicken Wings. Feurig wurden sie beschrieben  – fünf Stück für unschlagbare 2,99 Euro.

Eigentlich hätte mir mein Verstand sagen müssen, das Dinge, die bei MC Donalds N U R 2,99 Euro kosten, nicht besonders groß sein können und somit auch nicht in der Lage sind, ein aufkommendes Hungergefühl zu stillen. Aber wie es immer so ist: Man muss selbst Fehler machen, um daraus zu lernen. Mein Fehler war am heutigen Tage das Bestellen dieser Flügel. Die Verpackung alleine ließ keine Zweifel offen. Hier musste es sich zweifelsfrei um sehr kleine Hühner gehandelt haben, die unter Opferung ihres Lebens für so Wahnsinnige wie mich ihre Flügel(chen) zur Verfügung stellten. Vielleicht eine besonders edle oder seltene Rasse? Bei dem Preis und der Portionsgröße versucht man schon, sich das Ganze ein wenig schön zu reden. Es half nix. Bevor die prächtige Portion noch kälter wurde als sie eh schon war und sich womöglich noch das Fett in einem schmierigen Film auf der Haut niederlässt, habe ich sie schnell gegessen. War kein Problem, denn wo nix ist, kann man auch keine Zeit verschwenden.

Was aber noch viel interessanter war: Als ich den Becher von Sohnemann mit Fanta füllen wollte, musste ich leider feststellen, dass diese farblich sehr von der Fanta abwich, die ich in meinem Gehirn als Muster gespeichert hatte. Machen wir es kurz. Sie war ganz einfach alle und es kam nur noch das Wasser heraus. Keine große Sache, irgendwann muss alles mal aufgefüllt werden. Da ich ein netter Mensch bin, wollte ich eben schnell meine Beobachtung dem Personal mitteilen, damit sich der Sache angenommen werden kann und nicht noch mehr Gäste ihren Becher mit Wasser füllen. Was dann passierte, könnt ihr euch vielleicht schon denken. Ich umschreibe es mal in meiner netten Art und Weise: Das Interesse an mir und meinem Anliegen tendierte gen Null. Die haben mich einfach nicht beachtet. Ich stand da vorm Tresen, wollte nur meinen Hinweis loswerden und die Damen und Herren schwatzten im Hintergrund ein wenig. Auch meine Handzeichen wurden gekonnt übersehen. Warum auch. Ist ja nur die alte Meckertante, die immer irgendetwas zu beanstanden hat. Da ich nun aber keine Lust hatte, mir dort die Beine in den Bauch zu stehen und mich an solch einem schönen Tag unnötig aufzuregen, habe ich einfach einen Zettel und einen Stift gezückt ( Schreiberlinge führen so etwas ja immer mit sich) und habe ihnen ein „Ich wollte nur sagen das die Fanta alle ist.“ auf dem Tresen hinterlassen und mich meinem Sohn und meinem Essen gewidmet. Es dauerte keine zwei Minuten und der Chef der Filiale sprach bei mir vor. Er wollte sich nur schnell für den netten Hinweis bedanken und die Mitarbeiterin füllt gerade auf. Außerdem tue es ihm sehr leid, dass kein Mitarbeiter sich Meiner angenommen hat. Dies ist natürlich sonst in seinem Restaurant nicht üblich und ob der „junge Mann“ sich als Entschuldigung vielleicht noch ein Produkt aus dem Sortiment aussuchen möchte. Alles klar.

In diesem Sinne: Vielleicht sollte ich als kleiner und bedeutungsloser Endverbraucher dem großen Fastfood Produzenten mal anbieten, seinen Mitarbeitern solche Begriffe wie „Service“ und „Qualität“ ein wenig näher zu bringen und auf verständliche Art und Weise zu erklären. Ach nee, ich vergaß. Dafür haben die ja überbezahlte Schulungs – und Ausbildungsleiter, die das ihren Mitarbeitern vom ersten Tag an versuchen zu vermitteln. Oder denke ich auch einfach nur zu negativ und es ist alles gar nicht so schlimm?

Eure Anna

Über Anna Miller

Mein Name ist Anna Miller, ich bin Baujahr 1974. Meine Kindheit und Jugend verbrachte ich wohlbehütet unter der Fahne des Arbeiter- und Bauernstaates. Ich war Mitglied bei den Jung- und Thälmannpionieren, um dann nahtlos in die FDJ zu wechseln. Dort schaffte ich es bis in die GOL und kümmerte mich um die Feriengestaltung unserer Hortkinder und die Organisation diverser Kinder- und Jugendfeste. Um gleich etwaige Vorurteile aus dem Weg zu räumen: Dies hatte nichts mit Parteiarbeit oder ähnlichem zu tun. Damals war es noch üblich, dass auch in den Ferien die Kinder der unteren Klassenstufen in der Schule betreut werden. Zu meinen Aufgaben zählte zum Beispiel die Organisation von Schwimmbad- und Kinobesuchen, Bastelnachmittagen und ähnlichen Aktionen. Da mit dem Ende meiner Schulzeit auch Schluss mit dem Arbeiter- und Bauernstaat war, musste ich mich mit der harten Realität des Kapitalismus auseinander setzen und mir eine Lehrstelle suchen. Die Zeiten, in denen davon genug zur Verfügung standen, fein säuberlich aufgelistet in einer Broschüre die sich „Lehrstellenverzeichnis“ nannte, gehörten nämlich ebenfalls der Vergangenheit an. Aber ich hatte Glück. Durch alte „Beziehungen“, konnte ich eine Lehre zum Augenoptiker ergattern und absolvieren. Nicht mein Traumberuf, aber es war ein Beruf und ein Start in das vor mir liegende Leben. Nach Beendigung meiner Lehre war ich 10 Jahre in diesem Beruf tätig. Da Arbeiten aber nicht alles ist, was ein Leben so ausmacht, beschloss ich, mich nebenbei der Familienplanung zu widmen. Und wie es so ist mit dem planen – nicht alles klappt auf Anhieb. Geklappt hatte es erst, nachdem sich der potenzielle Vater meines nun inzwischen schulpflichtigen Sohnes entschloss, seine Familienplanung noch etwas auf Eis zu legen. Das Ende vom Lied: Ich bin eine alleinerziehende Mutti, die sich um ein kleines Sorgenkind kümmern muss. Der liebe Gott hat es mit meinem Sohn leider nicht ganz so gut gemeint und ihm einige Krankheiten mit auf den Weg gegeben. Unter anderem eine Entwicklungsstörung, die nach viel Förderung in verschiedenen Bereichen verlangt. Der Vater meines Sohnes beteiligt sich am Leben seines Kindes fast ausschließlich in Form der ihm gesetzlich vorgeschriebenen finanziellen Unterstützung. Durch die fast täglichen Termine mit meinem Sohn bei diversen Therapeuten und Frühförderstellen war es mir nach der Elternzeit nicht mehr möglich, in meinen alten Beruf zurück zu kehren. Ein kleines - noch dazu krankes - Kind und die Arbeitszeiten im Handel lassen sich einfach nicht miteinander vereinbaren. Und somit entschied ich mich, in die Selbständigkeit zu wechseln. Für mich damals die einzige Möglichkeit, nicht von Hartz IV leben zu müssen. Ich träumte von Heimarbeit, die ich notfalls auch dann machen konnte, wenn Sohnemann krank ist oder schläft. Büroorganisation und Telefonservice war das, was mir vorschwebte. Was mir angeboten wurde, war ein bunter Strauß voll Betrügereien und Abzockereien. Ich hatte nun inzwischen schon einiges in meinem Leben mitgemacht und erlebt, aber was ich während dieser Zeit an Niederträchtigkeit und Skrupellosigkeit erleben musste, sprengt glaube ich jede Vorstellungskraft. Weil die Zahlungsmoral meiner Kunden teilweise genau so schlecht war wie ihre Absichten und durch zusätzliche private Schicksalsschläge, musste ich mein Leben neu überdenken und ordnen. Da ich schon immer sehr gerne geschrieben und gelesen habe, war für mich der Zeitpunkt gekommen, mein Hobby zum Beruf zu machen. Wobei der Begriff „Beruf“ das falsche Wort ist. Für mich ist es viel mehr. Es ist meine Berufung. Schreiben ist genau das, was mir Spaß macht, wo ich mit Freude dabei sein kann und was mich und mein Leben am ehesten widerspiegelt. Eine Ausbildung in dieser Richtung habe ich nicht. Ich bin der Meinung, dass man Kreativität und/oder Talent nicht antrainiert bekommen kann. Entweder man hat es, oder eben nicht. So etwas muss von Herzen kommen, man muss eine Verbindung eingehen können. Man muss es leben und fühlen. Und ich glaube, dass ich dies recht intensiv mache. Und somit schreibe ich Artikel in unterschiedlichsten Längen für Zeitungen und Zeitschriften, übernehme Auftragsarbeiten und stehe auch als Texter und Skriptschreiber zur freien Verfügung. Wer in dieser Richtung Aufträge zu vergeben hat, darf sich gerne an mich wenden. Eine Kontaktaufnahme ist über anna-miller(at)o2online.de möglich.

Veröffentlicht am 29. Mai 2010, in Home. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 4 Kommentare.

  1. Sag mal Anna, hängt neben dem „Mitarbeiter des Monats“ schon ein Steckbrief von dir? 😉

  2. Nein, noch nicht, aber wahrscheinlich wird ein Foto als „Warnung vor unmöglicher Person“ an alle Filialen weltweit geschickt. Irgendwann bekomme ich Hausverbot. Lach.
    Liebe Grüße
    Anna

  3. liebe anna, musste echt herzlich lachen über deine zettelchen-aktion, haha, herrlich. und gut gekontert war das auch!

    liebe grüße, katerwolf

  4. danke, aber man kann sich ja nicht alles gefallen lassen. vielleicht bekomme ich ja bald hausverbot, weil ich immer so viel unruhe in den laden bringe. lach.

    liebe grüße
    anna